Das Spuren | WECHSLER-Interview (Teil II)

Der große Traum vom Reisen | Eine Zwischenbilanz nach 365 Tagen

Interview der Spuren | WECHSLER mit sich selbst...


Hallo Spuren | WECHSLER!
 

Es ist nunmehr ein Jahr nach Eurem Aufbruch vergangen. Wie geht es Euch und Eurer Idee nach 365 Tagen auf Tour?

Wir sind rundum zufrieden. Es geht uns weiterhin sehr gut und unsere Hoffnungen in Bezug auf diese Reise sind bis dahin voll aufgegangen. Wir trauen uns heute zu, das so zu beantworten: Wir haben bisher alles richtig gemacht und insgesamt gut hinbekommen!

 

Erzählt doch mal. Was meint Ihr und inwiefern haben sich Eure Pläne denn erfüllt?

Wir sind nach nunmehr gut einem Jahr auf Reisen erneut in einer neuen Phase unseres Projekts angelangt. Während wir in Peru  und teilweise auch noch in Bolivien  unserer Neugierde für andere Länder und Kulturen sowie der Reiselust voll nachgekommen sind, alles mitgenommen haben, was wir auf dem spannenden Weg finden konnten, extrem aktiv unterwegs waren und dabei gleichwohl die Weise des slow travel  sukzessive voll für uns entdeckt haben (siehe dazu auch unser Zwischenfazit Teil I), konnten wir in Kolumbien  alles noch deutlich entspannter und relaxter angehen, als schon zuvor. Manchmal schauen uns die Leute mit großen Augen an und fragen: "Was macht man denn 6 Monate lang in Kolumbien?"  Nun, die Antwort fällt uns überhaupt nicht schwer... Zunächst mal ist das Land groß, es ist exotisch und vielfältig und es hat wirklich die unterschiedlichsten Ziele und Erfahrungen zu bieten. Wir fragen zurück: "Wie kann man denn Kolumbien  in kürzerer Zeit bereisen?" Darüber hinaus sind diese 6 Monate auch einfach 6 Monate unseres Lebens - und wir leben gerade richtig gut...
 
Wir sind nach den 'karibischen Wochen' - also den Wochen an den karibischen Stränden Kolumbiens - komplett runtergekommen, haben uns das ausgiebige und selbstgenügsame Chillen zurückerobert und sind in einem auch inneren Ruhezustand angelangt, den wir so seit ganz ganz langer Zeit nicht mehr kannten. Es beginnt die Zeit, in der wir auf der Reise nun sukzessive zu uns selbst finden, wo wir zumindest aber die Suche nach uns selbst in den Fokus rücken können. Wo sich unsere Gedanken mehr und mehr mit uns selbst, unserem Leben und der Zukunft beschäftigen und die Umgebung, in der das stattfindet, ein willkommener Zusatzaspekt ist, der einem ein paar Annehmlichkeiten garantiert, ein paar Ideen schenkt, aber nicht mehr die treibende Kraft ist...
 
Wohin führt der Weg? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)
Wohin führt der Weg? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)
Welche Horizonte stehen offen? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)
Welche Horizonte stehen offen? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)

 

Das klingt ja fast so, als wenn das Reisen selbst in den Hintergrund treten würde?
Ja, das ist in gewisser Weise auch so. Es war ja schon bisher nicht anders, denn diese Reise - unser Projekt - sollte schon von Beginn an mehr sein, als das fortgesetzte Abhaken von Reisezielen. Diese Reise ist und wird immer mehr von uns als das erfahren, was sie ist: Nämlich ein ganz normaler Lebensabschnitt unter besonderen Vorzeichen. Sie ist letztlich eine qualitativ  veränderte Lebensphase und gleichzeitig nicht mehr und nicht weniger als ein ganz normaler  Lebensabschnitt. Wir führen ein Leben - so banal muss man das ausdrücken. Unser Modus ist das Reisen, unser Leben mithin ein Leben auf Reisen, in dem das Reisen ein Mittel zum Zweck und der Resonanzboden ist, auf dem die Reise in einem umfassenderen Sinne stattfindet. Damit wird das Reisen nicht obsolet, es ist aber auch nicht mehr im Zentrum. Im Zentrum steht unser Lebensalltag auf Reisen, das ist eben gerade unser  Leben...
 
Also das scheint mir doch noch weiter erklärungsbedürftig zu sein. Die Leute sagen doch: Haben die es gut, die reisen 2 Jahre lang um die Welt... 
Das ist ja faktisch auch richtig. Das werden wir tun und wir werden mal sehen, ob es bei diesen zwei Jahren bleibt. Wir haben immer gesagt, das Ergebnis ist offen... Aber auch wenn es am Ende nur eineinhalb Jahre oder aber drei Jahre sind, es ändert sich dadurch in der Sache nichts... Und ob wir tatsächlich fortgesetzt unterwegs sein werden, wissen wir jetzt noch nicht.
 
Das Reisen - wenn man so lange reist, wie wir das jetzt tun und wenn man es auf diese Weise tut, wie wir es tun - ist letztlich auch nichts anderes als eine sehr spezielle Normalität mit Alltag und Routinen - nur eben nach anderen Gesetzen. Es folgt einem völlig anderen Rhythmus, als unser früheres Leben in Arbeit. Soweit sicher banal. Unser ggw. Lebensrhythmus ist aber auch qualitativ  anderartig, er folgt einer inneren Sehnsucht und Melodie, die sich von unserem früheren Leben substanziell  unterscheidet. Unsere ggw. Lebensrealität hat sich verändert - und das war ja das Ziel dieser Reise. Wir folgen immer fokussierter einem Gefühl von Freiheit - verstanden als frei von vielerlei Fremdbestimmung -, und folgen einer Sehnsucht, die tief in uns selbst verankert ist, jenseits aller Motivation unseres bisherigen (auch beruflichen) Strebens. Und das mussten wir erstmal wieder lernen... Diese Sehnsucht war zwar immer schon da, wir haben sie nur bisher nicht zugelassen, nicht zulassen können, in unserem Streben nach Erfolg, Anerkennung und beruflicher Karriere. Wir haben ein wenig von dieser Sehnsucht auf zahlreichen vorhergehenden Reisen schon gespürt, haben dieses andere Streben in uns aber nie konsequent ausgelebt. Wie auch...
 
Man darf fragen: Wem oder was seid Ihr bis dato gefolgt, welchen Motiven seid Ihr hinterhergerannt? Und woher kamen diese Motive eigentlich?
Sie kamen - und das ist banal - mehrheitlich von außen, wurden uns im Laufe unseres Lebens anerzogen. Wie alle anderen auch, wurden wir von einer ganzen Reihe von Agenten und Akteuren unserer Gesellschaft - Eltern, Freunde, Schule, Arbeitgeber und Kollegen etc. - sozialisiert und so haben wir  uns im Zuge dessen eine Vielzahl gesellschaftlich normierter und gewünschter Bedürfnisse, Motive und Lebensideale zu unseren eigenen gemacht. Das ist der normale Lauf der Dinge und sicher erstmal keine besondere Erkenntnis. Wir haben im Rahmen dieser Entwicklung aber auch anderes  in uns - Alternativen und offenbar andere Sehnsüchte und Motive - verschüttet, überlagert und verdeckt. Man kann sagen - und ich bin sicher, dass Viele das immer mal wieder auch an sich selbst wahrnehmen werden, wenn sie dafür offen sind -, dass hinter der Fassade und Maske unserer gelebten Existenz - ein anderes, ein zweites oder womöglich ein mehrgestaltiges Wesen mit gänzlich anderen Bedürfnissen und anderem Begehren existiert, das man wahrnehmen oder auch ignorieren kann. Wir haben es gespürt und wollten dem eine Chance geben...
 
Wie unbeschrieben ist das Blatt...? Bolivien (Foto Jörg Schwarz)
Wie unbeschrieben ist das Blatt...? Bolivien (Foto Jörg Schwarz)

 

Das alles hört sich nach einer tiefergründigen Hinterfragung der eigenen Persönlichkeit an.
Kann man so sagen. In den vergangenen Jahren unseres früheren Lebens - ich nenne es zuletzt immer 'Mein erstes Leben in Arbeit' - haben wir gespürt, dass, wenn wir so weiter machen, trotz aller beruflichen Erfolge und der Anerkennung, die wir dafür erhalten haben, dass wir uns und diesen verschütteten Teil in uns dann irgendwann endgültig verlieren werden. In den vergangenen Jahren haben wir uns doch weitgehend über Arbeit definiert und dem auch vieles untergeordnet - das reale moderne Dilemma, gegen das wir uns schon in den vergangenen Jahren mit Gewalt zu stemmen versucht haben, für das uns aber oft die Kraft gefehlt hat... Gleichwohl hat ein Gefühl der Entfremdung in uns leider zugenommen, es wurde in uns stärker und hat uns an dem bisherigen Weg nach und nach zweifeln lassen. Dieser Zweifel richtete sich dabei an das in unserem Leben immanente Glücksversprechen, das sich nachhaltig und erfüllend für uns nicht oder nur bedingt einstellte. Es verheißt uns ja ein weitgehend glückliches Leben in dieser  Lebensform - neben wenigen Glücksmomenten aber stellte sich das nicht wirklich ein bzw. der Preis, den wir dazu zu zahlen hatten, erschien uns irgendwann zu hoch.
 
Im Gegenteil: Wir entwickelten sogar über die Jahre ernsthafte Symptome der Krise - je mehr wir investierten, je stärker wir uns engagierten, desto mehr erreichten wir, desto schwerwiegender wurden aber auch diese Symptome. Glückshoffnungen schlugen in depressive Stimmungen, manchmal Einsamkeit um, Enttäuschung und oft auch Wut gehörten dazu. Körperliche Symptome - man sollte sie als das benennen, was sie sind: Krankheiten - holten uns ein: Verspannungen, Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle gehören dazu, Schlafunregelmäßigkeiten und andere körperliche Symptome, aber auch seelische Leiden, die an Burnoutsymptomatiken erinnern kamen hinzu... Wir haben uns von unserem Leben ausgebrannt gefühlt. Als wir das ernster nahmen, diesen Tatsachen ins Auge sahen, den Gedanken zuließen, dass dieser Weg möglicherweise ein Irrweg sein könnte - trotz all der Begeisterung, die wir dafür aufbrachten -, spürten wir andere Leidenschaften in uns, andere Sehnsüchte und das Begehren danach zu fragen, was sonst noch geht. Und hier sind wir nicht den üblichen Verdächtigen gefolgt - Kinder, Eigentum, Konsum, Karriere -, was ja nur noch mehr Anstrengungen gefordert hätte, sondern dem, was unser eigenes Programm auch noch herzugeben schien, was ja schon in uns drin war, was wir bereits gespürt hatten...

Statt also andere für unser "Unglück" - und das ist sicher stark übertrieben - verantwortlich zu machen, statt unsere Wut auf die Gesellschaft, unseren Job und wen auch immer zu richten, haben wir uns für einen radikalen Schritt, einen anderen Lebensweg entschieden, der an unserem Zustand substanziell  etwas ändern sollte, in dessen Rahmen wir nach einer Alternative  suchen wollten. Ich will versuchen, das in einem Bild auszudrücken, wohl wissend, dass Bilder hinken können und daher mit Vorsicht zu geniessen sind. Magda lacht mich schon aus, angesichts dieses wunderbaren Bildes: In unserem bisherigen Leben waren wir Raupen, Kriechtiere, die nach nichts anderem trachteten, als nach grünen Blättern, die es tagein tagaus abzunagen galt. Wie jeder weiß, tragen Raupen eine andere Realität aber immer schon in ihrem genetischen Programm. Sie sind dazu bestimmt, bestenfalls schöne und bunte Schmetterlinge zu sein, die statt grüner Blätter den süßeren Nektar und Saft bunter Blumen auf bunten Wiesen erstreben. Anders als die kriechende Raupe, fliegen sie, erweitern Schmetterlinge ihren Horizont, sind sie frei genug, sich eine größere Welt zu erschließen. Leider ist dieser Entwicklungsprozess beim Menschen nicht vorprogrammiert, er muss ihn bewußt gehen wollen...
 
Voraussetzung ist: Eine Verpuppung! Die Metamorphose liegt noch vor dem Schmetterling, er hat sich erst zu verwandeln, muss eine neue Realität annehmen. In dieser Phase sehe ich uns gerade... Wir befinden uns also auf dieser Reise, denn wir wissen nicht, wonach zu suchen ist - und noch heute suchen wir... Wir befinden uns in einem zweijährigen Verwandlungszustand - quasi mitten im Kokon -, eine Zwischenzeit, die auch Aufbruch und Veränderung ist. Wir sind ja schon längst ausgebrochen und herausgetreten aus unserem bisherigen Leben, wir haben das 'Gesetz der Raupe' schon hinter uns gelassen. In unserem ggw. Kokon schaffen wir uns gerade den Raum und die Zeit uns neu zu erfinden... Wir haben uns nicht nur dem System unseres bisherigen Strebens entzogen, suchen nicht mehr Blätter und Grün, wir streben nach bunten Blüten und dem Saft eines anderen Glücks - um in diesem Bild zu bleiben. Süßer und intensiver soll es schmecken als bisher...

 

Wie klar müssen Linien gezogen sein? Bolivien (Foto Jörg Schwarz)
Wie klar müssen Linien gezogen sein? Bolivien (Foto Jörg Schwarz)
Wie intensiv ist ein Weg zu gehen? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)
Wie intensiv ist ein Weg zu gehen? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)

 

Aber mit Verlaub - diese Reise geht irgendwann auch mal zu Ende, Ihr werdet ja zurückkehren und zurückgehen in Eure Welt... Und diese Welt ist die Welt der Raupe...
Das ist schon klar. Natürlich vollzieht sich unser Projekt in dieser Welt  und wir haben immer gesagt, dass wir auch keinen Grund sehen aus unserem bisherigen Leben heraus eine Flucht  anzutreten. Wir sind ja keine Fliehenden, wir sind weder panisch, noch fürchten wir irgendwas, noch erscheint uns etwas derart problematisch und unaushaltbar, dass wir deshalb weglaufen möchten. Auch hier passt das Bild sehr gut: Die Metamorphose der Raupe in den Schmetterling vollzieht sich ja in ein und derselben Welt  und Realität.
 
Unsere Metamorphose - um in dem Bild zu bleiben - vollzieht sich in einer Umwelt, die weiterhin dem alten Gesetz folgt. Es ist das Gesetz der Raupe, in dem Arbeit - mit allen Begleiterscheinungen der modernen Arbeitswelt, wie Zeitmangel, Stress und Termindruck etc., aber eben auch Konsum und  Kommerz nunmal eine entscheidende Rolle spielen. In dieser nicht zu leugnenden Realität hüllen wir uns nun ggw. ein, wie in einem Kokon, ohne aus der Welt zu fallen. Wir nehmen uns zwar raus aus dem forwährend drehenden Hamsterrad, das durch Digitalisierung und immer kürzer werdende Geltungszeiten, immer heißer läuft und folgen damit einer anderen Zeit, einem anderen Gesetz, bleiben aber ja Teil dieser Ordnung. Die Realität der Raupe gilt ja genauso in Kolumbien  und Thailand, vielleicht sogar noch härter und radikaler... Und genau das tun wir gerade, wir existieren in einem raumzeitlosen Kokon der Zwischenzeit, um uns herum der Wahnsinn dieser Welt - sei es nun politisch, sozial oder arbeitstechnisch - genießen diesen Rückzug und richten uns gleichwohl für eine Rückkehr in diese selbe Welt neu aus.
 
Und das ist entscheidend: Wir selbst werden hoffentlich nicht mehr dieselben sein, wenn wir aus dem Kokon heraus kommen... Wir vollziehen eine Metamorphose und werden ... als Schmetterlinge zurückkehren... Hehe... :-)

 

Aber werdet Ihr in dieser Welt der Raupe als Schmetterling existieren können?
Das ist ja genau die Frage, die uns selbst und auch viele, die uns kennen, beschleicht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese Zeit irgendwann vorbeigeht. Und wir bedauern das gar nicht, sondern haben das ja genauso angelegt - sonst wären wir ja denen gefolgt, die im Komplettausstieg, in der endgültigeren Auswanderung  ihren Weg erkennen... Wollten wir bewusst nicht. Denn was haben wir bei unserer Rückkehr schon zu verlieren? Auch der Schmetterling verbleibt nach der Verwandlung in derselben Realität wie die Raupe. Er geht nicht in eine andere, fremde Welt, er ist in derselben Umgebung zu Hause, wie zuvor und existiert gemeinsam mit all den Raupen um ihn herum. Aber er fliegt in ihr und hat andere Kräfte... Diese Welt ist nun mal kein Paradies und selbiges gibt es, wenigstens in dieser Welt, auch nicht nicht zu finden. Und da wir nicht bereit sind auf ein Glück in einem zukünftigen Reich zu hoffen - daran glauben wir auch einfach nicht - wollen wir danach trachten jetzt  glücklich zu leben...
 
Die Existenzform des Schmetterlings ist qualitativ  eine andere, er hat sich und das Gesetz nach dem er lebt, substanziell  verändert! Statt nach grünem Blattzeugs sucht nach dem süßesten Saft, sein Ziel sind die buntesten Blüten... Er kriecht nicht mehr durch die Welt, er fliegt und legt dabei Distanzen zurück, die ihm bisher verschlossen waren. Was bei der Raupe schwerfällig wirkt, erscheint wenigstens beim Schmetterling stets leicht und locker, sein Gesetz ist das der Leichtigkeit und der Bewegung. Er ist nicht umsonst ein Symbol für die freie Seele... Übertragen heißt das für uns: Wir werden den Schwung dieser Reise, den Schwung dieser wundervollen 'Zeit des Kokons' mitnehmen. Das kann uns doch schon heute niemand mehr nehmen und wir haben bereits jetzt so viel süßen Nektar für uns gewonnen, dass wir die Welt da draußen, in die wir zurückgehen, nicht fürchten... Um ganz ehrlich zu sein: Schon von dem Moment an, als wir die Entscheidung für diese Reise, für den Kokon und die Verwandlung ernsthaft getroffen hatten, begannen uns Flügel zu wachsen... Also im Grunde schon vor  dem Kokon... Das ist jetzt ein paar Jahre her und manch einer hat es uns auch angemerkt... Wir fühlen uns bereits heute so stark, dass wir der Welt da draußen die Stirn bieten werden... Als Schmetterling sind wir dazu doch umso eher in der Lage...
Man könnte das Bild an dieser Stelle noch viel weiter spinnen, aber wir haben es bereits überstrapaziert...

 

Wie süß darf der Nektar sein? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)
Wie süß darf der Nektar sein? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)
Wie leicht darf das Leben sein? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)
Wie leicht darf das Leben sein? Kolumbien (Foto Jörg Schwarz)

 

Woran macht ihr diese Substanzveränderung eigentlich fest, woran merkt Ihr bereits heute, dass sich schon etwas verändert hat?

Wir fühlen uns nach anstrengenden beruflichen Jahren wieder gestärkt und ausgeruht und wir sind "gesundet", haben uns eine gesunde Ausgangsbasis für ein weiteres Leben zurückgeholt. Wir haben uns einen Zustand zurückgeholt, an den wir uns zuvor nur noch schemenhaft erinnern konnten, den wir aber jetzt eins zu eins wiedererinnern. Wir sind nach "nur" 12 Monaten - das allerdings überrascht uns selbst - weitgehend wieder hergestellt, wenngleich noch nicht wieder bereit für ein 'reentry'... Im Kurzwaschgang ist diese Metamorphose eben auch nicht zu haben...

 

Wenn Ihr von Gesundung sprecht, was meint Ihr damit konkret?
Krankheit ist ein hartes Wort. Aber in der Tat war uns in den letzten Jahren klar, dass wir etwas ändern müssen, um nicht irgendwann wirklich  krank zu sein. Unser berufliches Leben, die Normalität unseres Lebens im beruflichen Alltag - und das trifft sicher auf mich (Jörg) weit eher zu als auf Magdalena - würde ich tatsächlich als grenzwertig und einem 'guten und gesunden Leben' wenig zuträglich charakterisieren - und das ist nicht als  Kritik an meinen früheren Jobs und Arbeitgebern zu verstehen, denen ich das Bemühen für akzeptable Arbeitsumstände und -bedingungen abnehme. Es ist eine Zustandsbeschreibung der modernen Arbeitswelt, die in meiner früheren Branche sicher auch besonders extrem ausfällt, die ich deutschlandweit, aber auch bei Kollegen und Geschäftspartnern beobachten konnte und die mit der Überschrift "Wahnsinn der Normalität" treffend überschrieben werden kann. Ich denke ich werde dem in der Zukunft besser begegnen können, schon weil ich - hoffentlich - nachhaltiger ausgeruht und widerstandsfähiger bin. Aber das ist keineswegs alles.
 
Nach unserer bisherigen Zeit jedenfalls kann ich (Jörg) wieder normal schlafen, etwas, was ich schon verloren glaubte... Ich schlafe nicht nur 8, 9 oder 10 Stunden in der Nacht, wenn es denn sein muss, sondern auch noch durch! Rückenprobleme habe ich während dieses Jahres nicht mehr gehabt bzw. wenn ich ihn denn gespürt habe, den Rücken, dann hatte ich die Zeit, es gar nicht erst zu einem komplexeren Problem werden zu lassen. Verspannt bin ich fast gar nicht mehr und insgesamt fühle ich mich mindestens 10 Jahre jünger! Ich hatte mir nach vielen vielen Monaten übrigens das erste Mal wieder einen Virus eingefangen - während unseres Besuchs in Deutschland...! Eine Schuppenflechte am Ellenbogen, die mich seit einigen Jahren begleitet hat, ist bereits nach einem halben Jahr auf Reisen komplett weg gewesen. Meine Nasennebenhöhlen sind frei und ich brauche definitiv kein cortisonhaltiges Nasenspray, um frei atmen zu können... Na also wenn das nicht reicht, um konkrete, ganz handfeste Veränderung festzumachen...
Und auch wenn viele sagen werden: Die Sonne, das Meer etc... Ich bin sicher, es ist die Seele! Ich kann auch wieder mit mir allein sein ohne permanent am Smartphone zu daddeln und meine ggw. Selbstgenügsamkeit und weitgehende Bedürfnislosigkeit - sieht man mal von der kulinarischen und kulturellen Neugierde hier auf Reisen ab - dürfte der kapitalistischen Konsumwelt einen Schauer über den Rücken treiben... Ich merke, dass ich sukzessive wieder politischer werde und insgesamt nicht mehr so betäubt bin. Meine Wahrnehmung für das unsägliche politische Geschehen um uns herum regt mich zwar zunehmend auf, zeigt mir aber auch hier eine Rückkehr alter Widerstandskraft und Leidenschaft...
 
Kurz: Nach einem Jahr unserer Reise - auf der wir zudem wundervolle Reisehöhepunkte und Einblicke in fremde Kulturen und Landschaften gewonnen haben - ist alles ziemlich zufriedenstellend - und ein Jahr haben wir ja mindestens noch...
 
Danke für das Gespräch!


 

Natürich freuen wir uns über Eure Rückmeldungen oder Kommentare...

 

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