Spuren | WECHSLER zwischen kolonialer Geschichte und betörender Gegenwart - Melaka

 

Bericht Nr. 40

 

Hallo zusammen aus Melaka!

Ich liege auf meinem Bett in einem blitzsauberen und netten Guesthouse, freue mich über eine Klimaanlage, ohne die an Arbeiten nicht zu denken wäre und wundere mich darüber, heute bereits den 40. Blogbeitrag zu den Ländern Peru, Bolivien, Kolumbien, Thailand  und Malaysia  verfasst zu haben ... Wow, schon 40! Um ehrlich zu sein, es war nie geplant, so viele zu machen. Gut möglich, dass es an Eurem immer wieder motivierenden Rückmeldungen und Feedbacks liegt... Dafür heute mal Danke!

 

Inzwischen sind wir am südlichen Zipfel der malaiischen Halbinsel angekommen. Hier im Stadtstaat Singapur, wo wir schon vor vielen Jahren mal waren, hat sich viel verändert, so dass der Besuch für uns fast ein gänzlich neues Vergnügen ist. Und ein solches ist es, trotz der hohen Preise und der etwas gekünstelten Szene... Aber Architekturliebhaber, wie wir, die kommen hier sowas von auf ihre Kosten, dass man nicht anders als schwärmen kann: Großartige Stadt! Wir werden mit dem nächsten Blogbeitrag voll in diese Metropolregion einsteigen.

 

Mein heutiger Beitrag widmet sich dem wunderschönen Städtchen Melaka. Einst eine der wichtigsten Hafen- und Handelsstädte der Region lebt sie heute maßgeblich vom Erbe ihrer Kolonialgeschichte, der historischen Gebäude und Plätze sowie der in ihr Raum greifenden, sich lebendig und vielfältig ausgestaltenden malaiischen Gegenwart. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber auch diese Tage boten uns das ganze Spektrum der Diversität und Gastfreundschaft Malaysias  und lassen das Land - bevor wir es nun für kurze Zeit verlassen - zu einem unserer Lieblingsländer in der Region aufsteigen...

 

Folgt uns wie immer in die SPUR!

 

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Wer die Architektur der Gegenwart mag, der wird um Singapur nicht herumkommen... Singapur (Foto Jörg Schwarz)

 

Melaka und das historische Erbe einer bewegten Geschichte...

Wir wollen zuerst das historische Erbe der Stadt besichtigen und orientieren uns zunächst in den östlichen Teil der Altstadt, in der sich vor allem die kolonialen Gebäude, in der das koloniale Erscheinungsbild und die Geschichte der Stadt eindrücklich zu betrachten sind. Überraschenderweise beginnt man hier am Roten Platz. Nein, nein! Die Russen waren natürlich nicht in Melaka!  Der Name ist hier nur optisches Programm: Seit 1911 sind hier fast alle Kolonialgebäude rot gestrichen: Das Stadthuis (1656 n. u. Z.) - wie viele der Gebäude hier aus der niederländischen Kolonialzeit (ab 1641 n. u. Z.) wurde einem westfriesischen Rathaus nachempfunden, aus dessen Region viele der niederländischen Seeleute stammten, die sich hier mit der Ndl. Ostindienkompanie  ansiedelten. Das Stadthuis  ist zugleich das älteste niederländische Gebäude Südostasiens  und beherbergt heute Museen.

 

Der niederländische Einfluss auf Melaka  wird zudem durch eine kleine Windmühle unterstrichen, die etwas verloren am Straßenrand steht sowie die ebenfalls ganz in rot gehaltene Christ Church, eine niederländische Kirche aus heimischen, eingeschifften Ziegeln erbaut, die die englischen Kolonialherren (Englische Kolonie seit 1795 n.u.Z.) in eine anglikanische Kirche umbauten... Wir sehen zudem den obligatorischen - rot gehaltenen - britischen Uhrenturm, einen Brunnen und viele viele bunt - andere sagen: etwas kitschig - geschmückte Fahrrad-Rikschas, die in der ganzen Stadt präsent sind und abends bunt beleuchtet und mit teils lauter Musik vornehmlich chinesische Touristen durch die Stadt fahren... Wir fühlen uns an Tolu in Kolumbien erinnert, wo die Fahrradrikschas ein ähnliches Bild abgegeben haben... Ein bisschen ist es uns hier zu trubelig und touristisch...

 

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Und wenn man es nicht gewusst hätte... Unverkennbar: Niederländisch geprägter Roter Platz! Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Der Rote Platz von Melaka, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Die Parade von bestimmt 25 Fahrradrikschas vor dem Stadthuis, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Wir laufen zum St. Paul's Hill  hinauf und kommen dabei gehörig ins Schwitzen, es ist auch heute extrem heiß und feucht... Oben angekommen erkunden wir die Ruinen der vermeintlich ältesten Kirche Südostasiens, die die Portugiesen zu ihrer Zeit (seit 1511 n.u.Z. Kolonialherren in Melaka)  samt weiterer Kirchen in einer mächtigen Festungsanlage - A Famosa - errichteten. Als die Niederländer die Stadt eroberten wurde das Areal umgebaut und die Kirche später als Friedhof genutzt, wovon nun tatsächlich mächtige Grabsteine mit niederländischen Inschriften zeugen... Von der Besfestigungsanlage selbst berichten am Fuß des Hügels heute nur noch wenige Festungsreste, die als Porta de Santiago zu bestaunen sind. Das ganze ist am heutigen Tag eine historische Anlage in der vor allem das Posen dominiert: Massen von Touristen haben scheinbar nur Selfies und Fotos im Sinn und es ist ein starker Zweifel angebracht, ob das Interesse tatsächlich auch der Stadtgeschichte gilt... Wir fühlen uns auch hier von den Mengen an Menschen etwas gedrängt und geschoben und versuchen dieser Eventstimmung hier zu entkommen. Den Rest des Areals - die Istana, den unscheinbaren Sultanspalast, das ehemalige englische Clubhaus  sowie zahlreiche alte Lagerhallen  und eine nachgebaute Karacke, ein einst vor Melaka  mit sagenhaften Schätzen gesunkenes und niemals wiedergefundenes historisch-portugiesisches Schiff am Fluss, die Quayside - absolvieren wir etwas schneller... Das historische Areal ist spannend, aber der Trubel hier kann es einem etwas verleiden, was für einen Besuch in den weniger geschäftigen Zeiten außerhalb des Wochenendes spricht.

 

Wenn man bedenkt, dass Malaysia, dass die malaiische Halbinsel noch vor den Europäischen Großmächten  von den Chinesen  als Protektorat genutzt, von Sultanen aus Sumatra  und von Abenteurern, Piraten und allerlei Haudegen aus der gesamten Region heimgesucht wurde, blickt man auf eine bewegte Geschichte, die kulturell sicher kaum vielfältiger hätte sein können, zurück. Vor allem der zunehmend rege Handelsverkehr zwischen Indien  und China, der hier unmittelbar durch die Meerenge von Melaka  führte und aufgrund der unterschiedlichen Monsunwetterlagen nicht einfach zu beschiffen war, sorgte auf fast natürliche Weise dafür, dass hier einer der bedeutendsten Handelsplätze der Welt entstand. Das heutige Weltkulturerbe ist daher - Umstände hin oder her - auf jeden Fall sehenswert, auch wenn die Stadt ihren Rang längst an Kuala Lumpur  oder Singapur  verloren hat...

 

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Die Ruinen der portugisisch geprägten Kirche St. Paul's Church - die wohl älteste in ganz Südostasien, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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... aber wen interessiert's? Posen für die Nachwelt... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

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Posen an historischen Gemäuern - wer will es ihnen verdenken?! Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Einfach mal die Seele baumeln lassen - Muße am Pool

Eigentlich wollten wir ja ganz in der Nähe der Altstadt wohnen und haben dabei dennoch nicht auf ein paar zusätzliche Annehmlichkeiten verzichten wollen... Um ehrlich zu sein, der überaus günstige Preis kam uns schon etwas komisch vor, aber genau das wollten wir jetzt mal machen. Wir liessen uns also vom Busbahnhof aus im Taxi zu der über Airbnb  gebuchten Adresse fahren und standen - gemeinsam mit dem Taxifahrer - vor Rätseln... Irgendwas stimmt hier doch nicht! Die Adresse jedenfalls ist nicht korrekt. Wir rufen unsere Gastgeberin an und erfahren, dass das Haus - besser sprechen wir von einem modernen Hochhausensemble mit allerlei Pipapo und Luxus pur - ganz woanders liegt, als beschrieben: Nämlich außerhalb! Gut 30 Minuten zu Fuß in die Altstadt gelegen, nur über bedingt fußgängertaugliche Straßen erreichbar, stehen wir jetzt vor einem imposanten nagelneuen Komplex, der uns mal wieder schwindeln und staunen lässt. Wir sind ein wenig sauer, auf die Ortsangaben muss man sich schließlich verlassen können, als unsere Wohnungsvermieterin uns freudestrahlend und entwaffnend begrüßt... "Na ja", sage ich, "ein bisschen weit außerhalb liegt das Ganze ja schon..." Die Chinesin antwortet schlagfertig mit einem überzeugenden: "Ja, aber dafür ist das Wetter heute großartig...!" Was soll man da noch sagen...

 

Da alles andere hier wirklich überzeugend ist und wir ja auch mal raus wollten, aus der Welt der kleinen und manchmal auch miefigen Hostels und Guesthouses in alten und engen Gemäuern, machen wir einen Haken dran. Wir genießen unser großzügiges und modernes Domizil mit fantastischem Balkon, guten Betten und einem Pool, so groß wie ein deutsches Freibad! Von wenigen Phasen und Zeiten abgesehen haben wir diese Oase der Ruhe ganz für uns allein, wir sonnen unsere Haut ein wenig nach, schwimmen viel, schütteln die unbeschreibliche Hitze im Wasser ab und hätten Saunen, Fitnessräume oder Grillplätze in dem großzügigen Areal jederzeit nutzen können, wenn, ja wenn wir nicht in der näheren, sonst unspektakulären Nachbarschaft weit ab jeglicher Touristen, nicht zwei so großartige chinesische Restaurants gehabt hätten... Natürlich nutzen wir die und dringen noch tiefer in die Geheimnisse der außerordentlich schmackhaften asiatischen Küchen ein...

 

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Unser Domizil für eine Woche, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Endlich Raum und Space - Platz für unkoordiniertes Ausbreiten und Unaufgeräumtheit... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

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Verwunschene Altstadt... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Alle zwei Tage lassen wir uns von nun an mit einem Taxi in die Altstadt fahren, genießen diesen Mix aus Erkundung und Entspannung und freuen uns, dass es so gekommen ist. Erst als das nächste Wochenende naht - das ist in Melaka  die Zeit der allabendlichen Nachtmärkte - buchen wir uns wieder in der Altstadt selbst ein und verbringen noch ein paar Tage am Rande der City in einem sehr schönen Guesthouse - natürlich fußläufig zur historischen Stadt, weniger luxuriös und dafür deutlich günstiger: 16 € mit Frühstück... Da kann man nicht meckern! 

 

Chinatown und der berühmte Jonker Walk - ein Nachtmarkt mit viel Flair

Wir laufen durch die mit chinesischen Storhouses reiche Altstadt auf der Westseite des Melaka-Flusses, schlendern durch die interessanten Gassen und kehren hier und da in die interessanten Läden der chinesischen oder malaiischen Geschäftsleute ein. Vor allem die antiquarischen oder ganz alltäglichen asiatischen Lebensmittelläden machen uns immer wieder Freude. Es gibt hier uralte Moscheen oder indische Tempel, in die wir nach wie vor mit viel Interesse und neugierig Einblick nehmen, wir genießen auch weiterhin die Atmosphäre der zahlreichen chinesischen Clanhäuser und Tempel und lassen es uns in freundlichen und klimatisierten Cafés gut gehen. Mittendrin zu sein in diesen alten Gassen mit ihren historischen Gemäuern, sich hier Treiben zu lassen und immer wieder Kleinigkeiten und Details zu entdecken, die Melaka  anderen malaiischen Städten voraus hat, machen den Melakabesuch letztlich aus... Wir entdecken auch hier ein paar schöne Beispiele der mittlerweile typischen malaiischen Streetart  und können aufgrund der Nähe zu unserer neuen Unterkunft immer mal wieder "zuhause" eingekehren, uns abkühlen und die Augen für ein paar Minuten schließen. Die Hitze und die Eindrücke, die verarbeitet werden wollen, machen immer etwas müde...

 

Ruhig anklicken die folgenden Bilder:

Impressionen aus der Weltkulturerbealtstadt von Melaka, Malaysia (Fotos Jörg Schwarz) - Bitte anklicken!

 

Wir gelangen auf unseren ausgedehnten Wanderungen zum Fluss, an den die Stadt mittlerweile weitläufige Wege - den Riversidewalk - gebaut hat und den man kilometerweit ablaufen kann. Ausflugboote fahren an uns vorbei, große Warane schwimmen vereinzelt und offensichtlich verirrt im Wasser und Links wie Rechts bieten wunderschöne Bars, Restaurants und Kneipen zum Verweilen ein. Auch das Bier ist hier verhältnismäßig günstig, was eindeutig für Melaka  spricht... Ganze Häuserfronten zum Wasser sind bemalt, hier und da erscheint ein altes traditionelles Holzhaus am Ufer - ein schöner Platz, auch ohne, dass es hier wirklich herausragende Sehenswürdigkeiten zu sehen geben würde... Diese gibt es aber etwas außerhalb...

 

Wir machen uns auf den Weg zum Hügel Bukit China, dem größten chinesischen Friedhofsareal außerhalb Chinas. Wir lassen die Gräber derweil ruhen und statten zunächst dem Hang Li Poh's Well  einen Besuch ab. Der hiesige äußerlich unscheinbare Brunnen wurde einst Hang Li Poh  zu Ehren - 5. Frau eines lokalen Sultans von Melaka, eine Chinesin der Ming-Dynastie - von ihren Untergebenen errichtet. Die seither nie versiegende Wasserquelle spielte in der Folge in der Versorgung der Stadt mit Wasser eine zentrale Rolle. Sowohl die Portugiesen, als auch die Niederländer - die eine große, heute noch zu besichtigende Schutzmauer um den Brunnen herum aufstellten - schützten und sicherten die Quelle für eine nachhaltige Versorgung der Stadt mit dem kostbaren Gut. In erster Linie wohl galt die Kontrolle des auch King's Well  genannten Brunnens der eigenen Machterhaltung und Versorgung der kolonialen Truppen...

 

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Der Hang Li Poh's Well, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Schon sehr viel interessanter: Der Sam Po Kong-Tempel, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

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Ein lebendiger, etwas chaotischer chinesischer Tempel am Rande der historischen Stadt, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Doch deutlich interessanter ist es im nahegelegenen chinesischen Tempel Sam Po Kong, auch Poh San Teng-Tempel  genannt. Wir laufen außen zunächst durch einen etwas provisorisch wirkenden Fruchtmarkt hindurch und betreten den Hof des Areals. Viele Menschen wuseln durch die Anlage, ausgestattet mit zahlreichen brennenden Räucherstäbchen und brennenden Glaskerzen. Wir sehen Menschen, die sich in großer Geschwindigkeit vor diverse Altäre oder versteckte Nieschen stellen, die ihre Hände samt brennenden Räucherstäbchen vor das Gesicht halten und betend, bittend, flehend sowie leicht vor- und zurückschwankend die chinesischen Gottheiten beschwören. Diese Götterfiguren zeigen wie üblich die fiesesten Visagen, schauen böse drein oder sanft und smart lächelnd - wir verstehen von diesem Kosmos natürlich fast gar nichts... Ein Guide kommt nun laut sprechend mit seiner Gruppe in den Tempel, wir werden an den Rand gedrängt, nicht bösartig oder arrogant, sondern eher ekstatisch und im Eifer des Gefechts... Der Führer der Gruppe weist auf die zahlreichen Bilder chinesischer Staatsmänner hin, die den Tempel in der Vergangenheit besucht haben und die im Hintergrund eingerahmt an der Wand hängen, um die Wichtigkeit des Tempels zu betonen... Wir hören "Ooh's" und "Aah's" - der Guide hat sein Ziel offenbar erreicht. 'Festlandchinesen aus der Volksrepublik', vermuten wir noch, da sind sie schon wieder weg...

 

Mit dem Rauch unzähliger brennender Fackelchen in der Nase gehen wir weiter hinein, zahlreiche Katzen streifen unsere Beine in der Hoffnung auf eine Streicheleinheit, Kinder laufen durch den Raum, Menschen lachen im Hintergrund. Andacht und Ruhe sucht man hier meist vergebens, chinesische Tempel sind eher trubelig und Zurückhaltung legt der "Chinese an sich" so gar nicht an den Tag... Wir genießen die Stimmung hier, auch jetzt, da wir plötzlich fast allein im Tempel stehen. Diese religiös und kulturell so reichhaltigen Plätze sind wundervolle Erfahrungen unserer Malaysiareise. Da es draußen schon etwas dunkelt, wir machen uns auf zum berühmten Nachtmarkt - ein unzweifelhafter Höhepunkt der Stadt!

 

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Muscheln und Shrimps am Spiess vom Grill - was wohl in diesen Säcken stecken mag? Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Die Meeresfrüchtepalette ist groß, die Kreativität ihrer Zubereitung an den einzelnen Ständen auch... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Und was es so schmackhaft macht, sind die Gewürze und getrockneten Zutaten, die es hier natürlich auch zu kaufen gibt... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Der Nachtmarkt von Melaka, den wir nun drei Tage in Folge genießen werden, ist wahrlich ein Highlight. Die gesamte Jonker Street - von allen als Reminiszenz an die niederländische Geschichte der Stadt Jonker-Walk genannt - ist abends ein einziger Markt... Es funkelt und strahlt in der Nacht, zahlreiche Lampen und Birnen beleuchten das dynamische Treiben auf der Straße, während im Hintergrund alle Läden und Geschäfte ihren Teil zum hellerleuchteten Geschehen beitragen. In der weiterhin heiß-warmen Luft, angereichert mit den Düften exotischer Gewürze oder dampfender Kessel, schlendern die Menschen an unzähligen Ständen entlang, schauen, staunen und genießen all das Angebot, das wirklich interessant daherkommt. Für uns ist - wie immer - vor allem das kulinarische Himmelreich ein Segen, das von süß und fettig bis herzhaft und scharf daherkommt. Besonders um die zentrale Bühne der Altstadt herum, wo jetzt meist ältere Herrschaften der chinesischen Community Karaoke  vom Feinsten praktizieren, gibt es unfassbar kreative und fantastisch mundende Leckereien, vor allem Seafood-Liebhaber kommen auf ihre Kosten... Wir sind heute besonders an den kleinen Kalmaren  interessiert, deren köstlich mundende Tentakel hier in Tischtennisball großen Formen auf dem Grill mit Teig und Käse schmackhaft fusioniert und verschmolzen werden. Am Ende kommt noch kurz der Bunsenbrenner zum Einsatz, einmal kurz darüberfahren: Ein Wahnsinnsergebnis in Optik und Genuss...

 

Wir nehmen noch ein paar Dumplings  an Bord und lassen uns weiter treiben... Auf der riesigen Bühne steht jetzt eine vielleicht 60 Jahre alte Dame. 'Die traut sich was' denke ich, als ich über das zahlenmäßig große Publikum blicke... Was sich dann aber auf der Bühne abspielt, ist eine Überraschung. Zwar kennen wir weder Song noch Text, aber die Show ist einfach umwerfend. Mit einer fabelhaften Stimme und der Kraft und Ausdauer einer professionellen Sängerin - ganz im Gegensatz zur Erscheinung auf der Bühne - rockt die Lady das Publikum, dass sich von der Darbietung sichtlich - wie wir - amüsiert zeigt. So geht das hier jetzt jeden Abend... Der Nachtmarkt  - immer abends ab 18:00 Uhr von Freitag bis Sonntag - ist nicht umsonst bis hin nach Singapur  und Kuala Lumpur  bekannt und zieht unzählige Wochenendgäste an. Natürlich ist es voll, wird man hier und da auch geschoben, aber die völlig entspannte, ausgelassene und nirgendwo agressive Atmosphäre, die hier den Markt zu einem wöchentlichen Höhepunkt macht, lässt einen das gut ertragen. Wir genießen das jetzt drei Abende lang und freuen uns schon tagsüber immer auf das kulinarische Feuerwerk und das lichtdurchflutete Volksfest...

 

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Eine große Bühne für die einzelnen Karaoke-Stars... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Das Publikum ist jedenfalls in gespannter Erwartungshaltung... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Sehr begehrt: Wassermelone-Shake - die quirlen die eisgekühlten Dinger einfach mit dem Mixer durch, Strohhalm rein, et voilá! Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Das traditionelle malaiische Viertel - Weltkulturerbe Kampung Morten

Aber Melaka  hat natürlich bei Weitem mehr zu bieten... Wir lesen von einem malaiischen Viertel, in dem das Leben zwischen den modernen Häuserschluchten nahezu stehen geblieben sein soll, in dem der Besucher einen Eindruck von einem klassischen malaiischen Dorf bekommen kann. Wir machen uns - es ist heute stark bewölkt und trübe - zu Fuß entlang des Melaka-Flusses  auf ins Kampong Morten  und werden an einem Brunnen bereits von einer malaiisch gekleideten jungen Frau freudestrahlend und herzlich willkommen geheißen, die uns anschließend führen wird. Wir tragen uns in die Liste ein, warten noch 10 Minuten und machen uns gemeinsam mit weiteren etwa 15 Personen auf zu einer 2 stündigen Wanderung durch den Kiez. Als es losgeht, erfahren wir zunächst, dass dieses Viertel zum Weltkulturerbebereich Melakas  gehört und einige Besonderheiten aufweist: Die Häuser hier müssen sich an den alten malaiischen Traditionen orientieren, es dürfen hier tatsächlich nur Malaien  wohnen und selbst die kleinen Guesthouses im Kiez sollen sich bewußt nur an malaiische Gäste richten. Natürlich gibt es zahlreiche weitere Regeln hier, die im Sinne des Erhalts einer kulturellen Tradition stehen, die im Land ansonsten nahezu verschwindet...

 

Die Region, so erfahren wir,  war einst ein matschiger Mangrovensumpf und musste unter allerlei Trickserei von den Besitzern abgeworben und trocken gelegt werden, damit die in kolonialer Zeit prosperierende Stadt sich ausdehnen und wachsen konnte. Eine historische Persönlichkeit namens Morten spielte hier eine gewichtige Rolle und ist seither Namensgeber... Als das Areal zur Bebauung freigegeben wurde, siedelten hier vor allem Malaien, die ihre traditionellen Holzhäuser mit den wundervollen Terassen auf Stelzen bauten, von denen heute nur noch sehr wenige im Originalzustand erhalten sind... Gleichwohl erkennen wir beim Bummel durch den Kiez die Struktur dieser alten Siedlungsweise und erfahren weitere Einzelheiten: Die Anzahl der Palmen auf einem Grundstück - beispielsweise - zeigt die Anzahl der Kinder der Familie (werden immer bei Geburt gepflanzt) und die Art der Terrassengestaltung signalisiert deren geschlechtliche Zusammensetzung (geschlossen = viele Töchter-, offen = viele Söhne)...

 

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Eines der wenigen noch traditionellen Häuser der Malaien, das besucht werden kann - die Besitzerin führt die Besucher gern selbst durch ihr Reich... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Wir proben am Ende der Tour mit unserem Guide malaiische Spiele, in dem Gummilatschen die Hauptrolle spielen... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Eines der malaiischen Stelzenhäuser unter dem man wunderbar im Schatten sitzen kann... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Wir laufen kreuz und quer durch den Kampong Morten, es geht auch durch Hinterhöfe und über einzelne Grundstücke hinweg. Wir beobachten das  Training einer Sepak Takraw - Mannschaft, die hier das typische malaiische Ballspiel über ein Netz praktizieren. Wie beim Fußballtennis schießen die Akteure sich den aus Bambus geflochtenen Kleinball wendig, akrobatisch und pfeilschnell gegenseitig um die Ohren... Ein tolles Spiel, das wir schon aus Thailand  kennen... So kommen wir immer wieder mit den Menschen hier in Kontakt und stehen irgendwann vor dem Haus eines Modellbauers. Er baut hier im Miniaturformat die traditionellen malaiischen Häuser nach, deren Ausprägungen und Unterschiede wir nun vorgeführt bekommen. Stolz präsentiert er uns seine Objekte und freut sich sichtlich über unseren Besuch. Uns geht es nicht anders... Das gilt auch beim Blick in den ein oder anderen Kochtopf, beim Besuch des Fahrradbastlers, der für die bunten Rikschas in der Stadt maßgeblich verantwortlich gewesen sein soll und die abschließende Präsentation malaiischer Alltagsspiele, bei der die Fremden ein wenig brauchen, um tatsächlich in Fahrt zu kommen... Dann aber werfen sie nach Anleitung wild mit Gummilatschen um die Wette und jagen sich bei der Affenhitze quer über einen kleinen Platz... Jetzt sind wir es, die von den uniformieren Schülerinnen und Schülern, deren Schule offenbar gerade beendet ist, dabei beobachtet werden, wie wir uns ungelenk mit Gummilatschen beschmeißen, bei diesem malaiischen Spielchen... Lachen die uns etwa aus?

 

Wir lernen weiterhin die islamischen Rituale der Waschung vor dem Gebet in der kleinen Moschee, erfahren viel über die sozialen Gepflogenheiten der malaiischen Dorfgemeinschaften und freuen uns über die gemütliche und ruhige Atmosphäre in dem musealen Areal... Mitten in der Stadt jedenfalls kann man hier ein wenig aufschnappen von dem Leben der Malaiien, das ja in der Altstadt sonst weitgehend vor der dominanten chinesischen Präsenz verschwindet... Für uns eine sehr charmante, spannende und empfehlenswerte Führung in der Stadt...

 

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Die unterschiedlichen Traditionen der Malaien beim Bau von klassischen Häusern im Modell, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Welche Gewürze, Gemüse und welches Obst hat der Malaie traditionell in seinem Garten? Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Ein etwas "aufgemotzter" malaiischer Vorgarten... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Kurioses und Auffälliges in Malaysia - Beobachtungen eines Fremden

  • Während Flucht und Migration in Europa  und Deutschland  gerade heiß diskutierte Themen sind, bleiben andere Flüchtlingsschicksale häufig unbekannt und im Schatten... Wir erfahren hier aber nicht zum ersten Mal, dass das Thema Flucht (und Vertreibung) ein weltweites Phänomen darstellt. Während wir ja bereits in Peru  und Kolumbien  von der großen Zahl an Flüchtlingen aus Venezuela  berichtet haben, begegnen uns hier in Asien  sowohl in Thailand  als auch jetzt in Malaysia  immer wieder Migranten aus Myanmar, Indonesien  und anderen Armutsländern Südostasiens... Vor allem Menschen aus Myanmar  trifft man jetzt eigentlich überall. Wir lernen in einem Hostel  'Roman'  kennen - natürlich ist das nicht sein richtiger Name - der zunächst ordentlich Werbung für sein Land macht, um auf die Greueltaten der Buddhisten in Myanmar angesprochen, plötzlich nachdenklich zum Besten gibt, dass er selbst Muslim sei, Rohinga. Teile seiner Familie sind vertrieben und in vielen Dörfern seien bekannte Menschen heute tod. Abgeschlachtet, hingerichtet von Buddhisten - "der Regierung" -, sagt er... Die Menschen sind von ihrem Land vertrieben worden, ihre Dörfer niedergebrannt, die tausende Überlebenden vegetieren in Flüchtlingscamps am Rande Bangladeschs , von der Welt vergessen, unter schlimmsten Umständen. Ein Zurück scheint unmöglich, die Gefahr ist zu groß. Die Regierung streicht "Ausgewanderte" (was eine sprachliche Schande ist, angesichts der Vertreibung) "aus den Staatsbürgerregistern", so dass sie ihre Staatsangehörigkeit in Myanmar  kaum mehr werden nachweisen können. Er selbst weiß eigentlich nicht, ob er überhaupt je zurückkehren wird... Nachdem er jetzt darüber spricht - sonst scheint Verdrängung seine Strategie - und traurig geworden ist, versteht Roman, warum wir derzeit kein Verlangen danach haben, in Myanmar  zu reisen, so wunderbar das Land auch sein mag... Die Profiteure der Tourismusbranche in Myanmar  sind traditionell vor allem die Eliten der früheren Militärregierung und ihre Familien und auch sonst wollen wir das nicht so einfach abschütteln...
  • Was uns hier immer wieder auffällt - vor allem im Kontrast zu Europa  und Deutschland - ist die fast vollständige Abwesenheit von Freaks, von Aggressivität, von Gewalt... Nein, natürlich wissen wir, dass es das hier in anderen Formen auch gibt, das das unter der Oberfläche sicher hier und da auch schlummert (da muss man ja nur nach Myanmar  schauen), aber im Stadtbild, im Alltag der von uns besuchten Städte ist das fast nirgendwo zu beobachten. Keinerlei Aggressionen... Wenn ich das mit Berlin  vergleiche, Frankfurt  oder Hamburg... Der ausgeprägte und anerzogene Hang zu Individualismus, Selbstständigkeit und Durchsetzungsvermögen in Deutschland, der bei uns ja allzuoft in Egozentrik, Narzismus, Selbstverliebtheit und schließlich Aggression umschlägt, dem begegnet man hier einfach nicht - nicht mal in Situationen, in denen ich selbst am Rande meiner Frustrationstoleranz bin... Das betrifft übrigens auch Kinder, die hier einfach viel ausgeglichener sind oder wenigstens wirken... Ein Beispiel: Wir stehen in der (langen) Warteschlange am Fahrkartenautomaten. Es ist heiß, es ist sehr heiß. Ich selbst bin klitschnass geschwitzt, das Wasser läuft an mir herab. Auch andere wedeln mit Fächern, alle sind am Hitzeanschlag, denn es geht hier kein Hauch. Und: Es geht einfach nicht voran... Eine Frau steht nun schon lange an ihrem Automaten. Sehr lange. Alle anderen warten, verfolgen sie, stehen in den Startlöchern. Sie - die Ruhe selbst - zeigt ihrem Sohn - ausgerechnet jetzt, denke ich, wo im Gegensatz zu allen anderen Zeiten hier die Rushhour ist - wie man das macht, mit den Fahrkarten... Sie gibt ihm in aller Ruhe ein paar Münzen - er lässt sie fallen. Es dauert, bis sie die Dinger wieder aufgehoben haben, natürlich rollen sie in alle Himmelsrichtungen. Umständlich versucht der 4 oder 5-jährige Tolpatsch die silbernen Teilchen zu halten, eine fällt erneut, er schafft es mühsam, eine nach der anderen reinzumachen... Sie hat kein schlechtes Gewissen, ihr machen die Wartenden in ihrem Rücken keinen Stress. Irgendetwas aber läuft falsch beim Ticketkauf, alles von vorne... Na jedenfalls dauert es lange, gefühlt sogar noch viel, viel länger. Während in mir tatsächlich bereits die Wut lodert - ich gebe es ja zu, das nervt mich einfach kollossal - bleibt um mich herum alles ruhig. Eine Gelassenheit allethalben. Telefoniert man eben mal. Ist eben so... Muss man durch... Dieses Verhalten steckt mich an, kocht mich herunter, ich besinne mich. Als sich jetzt jemand an mir vorbeidrängelt, als ich an der Reihe bin - er hat sich sukzessive angeschlichen und steht seit geraumer Zeit mehr neben als ordnungsgemäß (ich bin ja Deutscher!) hinter mir - bleibe ich ganz ruhig... Ganz ruhig... Ruhig... Magda hält mich am Arm, sie kennt mich gut... Er, der das selbst niemals als betrügerische Absicht mit Nachteilen für mich verbunden betrachten würde, ist schnell fertig - jetzt endlich wir! Geht doch!
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Das Minarett der Masjid Kampung Kling, einer der ältesten Moscheen hier... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)
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Die Ruhe und Gelassenheit muss man erstmal haben - mitten in der Moschee, Besuchszeit... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

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Jetzt erstmal was essen! Straßenszenen in Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

Empfehlungen

 

Unterkunft

  • Wir empfehlen das stadtnahe The Pillohouzzze, Traveller's Homestay, 10 M Jalan Laksamana 2, Taman Kota Laksamana (Einfahrt via Jl. Laksamana 5), Tel. +60 10 797 2099, thepillohouzzze@gmail.com. Eine wirklich blitzsaubere, gemütliche Bleibe in der sich Mun  wunderbar um ihre Gäste kümmert. Informationen über Stadt, Touren und An-/Abreisen haben wir sämtlich von Mun  erhalten... Wir haben hier über Airbnb  gebucht, ist aber auch unabhängig davon buchbar... Lage und Preis sind klasse!
  • Wer es uns gleichtun will und ein wenig Luxus und Erholung außerhalb der City mit Balkon, Pool, Sauna etc. möchte, der sucht unter Airbnb eine Bleibe im nagelneuen Luxusdomizil Atlantis Residence. Da viele Wohnungen angeboten werden, verzichten wir auf nähere Angaben... Bedenkt: Man kommt von hier realistisch nur mit PKW, Taxi oder Grab  (eine Art Uber) in die Altstastadt... In der Umgebung ist es nicht attraktiv, aber es gibt gute Restaurants...

 

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Das Dried Spicy Squid im Restoran Ji Xiang, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Speisen

In der Altstadt:

  • Die beste Auswahl - vor allem mit der Garantie, dass einem schon vorger das Wasser im Munde zusammenläuft - bietet der Nachtmarkt  um die Bühne herum, am Ende der westlichen Jonker Street.
  • Hervorragende Dumplings mit spitzenmäßiger klarer Suppe und der schärfsten Chilisauce  meines Lebens (muss man ja nicht nehmen...) gibt es im Restoran The Kappan House, 20 Jalan Tukang Besi, Tel. +60 12 275 3131. 
  • Unbedingt einen Besuch abstatten muss man dem großartigen Restoran Ji Xiang, Jalan Portugis, bei den Parkplätzen zur Altstadt, unterhalb des beliebten Ringo Hostel. Fantastisches Black Pepper Beef, bestes Fischcurry Malaysias und Dried spicy Calamaris...
  • Der beste Kaffee - bzw. Espresso - der Stadt wird im Kaya Kaya Café, 
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The Kappan House und seine vorzüglichen Dumpling-Soups, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

Ausserhalb - bei Atlantis Residence:

  • Fantastisches Four Seasons Delicacies, 30 Jalan KPKS 1 Kompleks Perniagaan Kota Syahbandar, Tel. +60 16 663 8988 - herausragende Vegetarische Fried Dumplings, großartige Meeresfrüchte  aber auch gute Gemüsegerichte... Etwas teurer, aber wert! Der Geschäftsführer ist unheimlich freundlich und kommunikativ, sehr bemüht und professionell... Man sieht hier wohl selten Touristen, was auch hier gilt:
  • Besonders zu empfehlen ist das clay pot - Restaurant SH Restaurant Bak Ku Teh, 2 Jalan KLJ 4 - Taman Kata Laksamana Jaya 4 -, Tel. +60 16-900 3049. Ein ausgesprochen freundlicher Service, wunderbare clay pot-Küche mit u.a. Ginger & Wine Chicken-Soups ... SH steht übrigens für spicy and hot... Man wählt aus, was man an Zutaten beigeben möchte und erhält siedend heiße Suppen, in denen man das dann anrichtet...

Ausblick

 

Spuren | WECHSLER machen einen Abstecher in den Südzipfel der Malaiischen Halbinsel  und in eines der wohl gegenwärtig meistbegehrten und wohlhabendsten Länder der Welt: Singapur.

 

Neben einer der kulturell wie kulinarisch vielfältigsten und spannendsten Gegenden des Planeten erkunden unsere Helden das vor allem für seine stadtplanerischen und architektonischen Ambitionen heiß gehandelte Land. Sie werden die von imposanter Gegenwartskunst, kreativen wie  kühnen Entwürfen und skulpturaler Gigantomanie nur so strotzenden Architekturhighlights entdecken und bewundern sowie die Höhepunkte der am Reißbrett entworfenen City bestaunen. Dabei geht es erneut zu Fuß kreuz und quer durch die Stadt - über Chinatown, Little India  und den Kampong Glam  mit ihren historischen Storehouses  und ihrem reichen kulturellen Gepräge. Sie erschließen die Häuserschluchten von Downtown, die Szene- und Amüsiermeile an den alten Quay's  des Singapore River  sowie  das altehrwürdige koloniale Herz um das berühmte Hotel Raffles...

 

Last but not least werden sie die mühsam dem Meer abgerungene Marina Bay  oder die Gardens by The Bay  mit ihren eindrucksvollen Gewächshäusern, skulpuralen Kunstbäumen und Gartenarealen besichtigen, bevor sie sich zurück auf den Weg nach Malaysia  machen, wo schon jetzt das Meer ruft...

 

Bleibt Spuren | WECHSLER treu und folgt Ihnen auch demnächst wieder IN DIE SPUR!

 

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Die Gardens by the Bay in der Nacht... Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

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Die clay pot-Spezialitäten im SH Restaurant Bak Ku Teh, Melaka, Malaysia (Foto Jörg Schwarz)

 

Allgemeines

  • Wir empfehlen zunächst, sich in Melaka kreuz und quer durch die überschaubare Altstadt  westlich des Melaka-Flusses treiben zu lassen... Hier findet man eine Reihe interessanter chinesischer, hinduistischer und muslimischer Gotteshäuser, unzählige Geschäfte und Restaurants, Cafés etc. Der Jonker-Walk  ist auch tagsüber sicher die prominenteste und trubeligste Straße... Lauft aber besser auch die Seiten- und Nebenstraßen, denn hier ist es in der Regel ruhiger und charmanter und das Entdecken macht mehr Freude...
  • Irgendwann wird man zwangsläufig an den Fluss geraten. Vom Roten Platz aus lässt der sich in beide Richtungen auf einem Riverwalk (zum Hafen  oder zum Kampong Morten) ablaufen... Vor allem abends ist das eine sehr schöne und romantische Angelegenheit, zentral ihr findet zahlreiche Restaurants und Bars zum einkehren...
  • Der Fluss lässt sich vom Hafen  aus auch per Schiff  erkunden...
  • Das koloniale historische Melaka  findet Ihr östlich des Melaka-Flusses - der Rote Platz  mit seinen vielzähligen touristischen Sehenswürdigkeiten, der St. Paul's Hill  mit seinen alten Kirchen (oder was davon noch übrig ist), Befestigungsanlagen  und zahlreichen Museen... Man hat schöne Ausblicke von hier oben!
  • Es gibt ein Little India  nord-östlich der Altstadt, das man über die Bastion Victoria, die große nördliche Brücke über den Fluss erreichen kann...
  • Unbedingt wertvoll ist die Führung durch den Kampong Morten - weltkulturerbe-geschütztes traditionelles malaiisches Viertel mitten in der Stadt - immer Mo, Mi, Fr - Anmeldung am Brunnen im Kampong  bis 16:45 Uhr, Führung startet um 17:00 Uhr für etwa 1,5 Stunden.
  • Man kann ohne Weiteres bis zum Bukit China, dem größten chinesischen Friedhofsareal außerhalb Chinas  laufen und dort sowohl den Sultan's Well  bzw. den Hang Li Poh's Well  als auch den Sam Po Kong-Tempel  besichtigen. Auch findet sich hier ein Kriegsehrenmal  für die Gefallenen der Weltkriege...
  • Auch ein Portugiesisches Viertel  ist zu besichtigen - hier waren wir nicht...
  • Sehenswert ist - vor allem bei Sonnenuntergang die Malacca-Straits-Moschee  auf der vorgelagerten Pulau Melaka
  • Nicht versäumen sollte man in Melaka  den Nachtmarkt  auf dem Jonker-Walk... Das Ganze ist ein Riesenspektakel und vor allem am westlichen Ende um die Theaterbühne  herum auch ein kulinarisches Fest... Überhaupt lässt sich in Melaka  fantastisch speisen... Probiert aus, was das Zeug hält...


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Kommentare: 2
  • #1

    Martina (Sonntag, 26 August 2018 10:18)

    Hallo ihr zwei.
    Habe an Jörgs e-mail Adresse bei gmx eine längere Mail geschrieben.
    Ihr beiden wirkt so richtig in der Spur. Beneidenswert.
    LG, Martina

  • #2

    Spuren | WECHSLER (Montag, 27 August 2018 04:36)

    Liebe Martina, haben deine sehr schöne Mail erhalten und werden bald antworten... Ja, wir sind in der Spur und diese malaiische Spur ist genau unsere...
    Danke Spurenwechsler

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