Italien


Süditalien

 

Tagebuch eines Familienreisenden - Süditalien mit Kind und Kegel

Von Darius Behrouzi

 

16.09.2017

Unsere Reise nach Kampanien beginnt bereits um 01:30 Uhr! Urlaub nennt sich das. Na das kann ja heiter werden... Wir passen unsere Fahrt dem Biorhythmus unserer 4-jährigen Zwillinge an und wollen möglichst viel Strecke während ihres Schlafes zurücklegen. Vorbei an Mailand, Bologna und Florenz, die wir Links liegen lassen, legen wir in Umbrien am Trasimeno See  eine nächtliche Pause ein. Wir sind in Passignano sul Trasimeno. Alles hier wirkt ordentlich rausgeputzt. Sogar außerordentlich: Die Innenstadt ist von auf Hochglanz polierten Polzeischaren bevölkert. 'Mein Gott, müssen wir uns Sorgen machen...?' Aber unsere Sorge verfliegt schnell: Der italienische Senatspräsident ist in der Stadt zu Gast und zwingt die örtliche Polizei in ihre schönsten Anzüge. 

 

Die Partnerstadt von 'Passignano sul Trasimeno' ist nach meinem Geschmack die schönere (Foto Darius Behrouzi)
Die Partnerstadt von 'Passignano sul Trasimeno' ist nach meinem Geschmack die schönere (Foto Darius Behrouzi)

 

17.09.2017

Wir setzen unsere Reise fort und dieseln nach Santa Maria di Castellabate. Kurz nach Neapel geht es über 80 km Landstraße unserem Ziel entgegen.  Wir fahren durch langgestreckte Ortschaften mit dem Charme verfallender Gewerbegebiete. Wir merken: Verfallendes ist nicht gleichermaßen schön. Modernes Verfallendes wirkt eher heruntergekommen - da ist Italien keine Ausnahme...

 

Unweigerlich machen wir mit jähzornigen süditalienischen Autofahren Bekanntschaft. Große Teile der Landstraßen sind mit 50 km/h Begrenzungen ausgeschildert. Nötig ist die Beschilderung eigentlich nicht: Die unzähligen Schlaglöcher, Bodenwellen und Krater in der Asphaltdecke erzwingen eine angemessene Geschwindigkeit, um den erforderlichen Slalom zu bewältigen. Für viele ortskundige Zeitgenossen ist es gleichwohl unvorstellbar, sich daran zu orientieren. Also werden wir - ganz ohne italienischen Charme - Zeuge von Drängeleien, waghalsigen Überholmanövern, heftigem Kopfschütteln und lautstarken Flüchen. Aber wir wollten ja unbedingt nach Italien...

 

O.K. - Dieser Straßenabschnitt ist neu! (Foto Darius Behrouzi)
O.K. - Dieser Straßenabschnitt ist neu! (Foto Darius Behrouzi)

 

Trotzdem einigermaßen sicher an unserem Urlaubsziel angekommen, gönnen wir uns erstmal eine Kostprobe des schönen Strandes. Natürlich ist er wie gemacht für zwei kleine - ausgeruhte - Meeresliebhaber... Die zwei etwas müden Erwachsenen dagegen werden heute erst bei hausgemachter Pasta nochmal richtig wach... Ein später Höhepunkt des Tages: Tagliatelle auf Kichererbsen. Was auf den ersten Blick gewagt erscheint, erweist sich als exquisite Harmonie. 'Warum gibt es das bei mir zu Hause nicht?', frage ich mich.

 

18.09.2017

Am nächsten Morgen ist die Nachtfahrt langsam aus den Knochen raus... Wir sind so richtig in Italien angekommen. 'Jetzt also endlich Pompeji, Herculaneum, die Amalfiküste!', denke ich. Was haben wir uns nicht auf diese Kulturschätze, was haben wir uns nicht auf diese Sehnsuchtsorte Italiens gefreut... Aber die Rechnung ist ohne die Kinder gemacht. Gerade aus dem Bett geschlüpft schallt es und euphorisch entgegen: "Papa, wir wollen  ans Meer." Also müssen die großen Ziele noch warten...

 

Das Wetter ist jedoch wie dafür geschaffen. Genauso haben wir uns das gewünscht! Als wir uns noch darüber freuen, erklärt uns eine Einheimische trocken: "Wenn ihr vom Strand die Amalfiküste und Capri klar sehen können, folgt am nächsten Tag ein Wetterumschwung!" 'Aha!', denken wir um eine Erkenntnis reicher und schauen die Küste entlang: Wir sehen die Amalfiküste. Und wir können Capri  glasklar erkennen... 'Meine Güte, was haben wir ihr denn getan?' Zum Glück gebe ich auf solche Weisheiten nichts!

 

Wer trotz der schlechten Auflösung Capri und die Amalfiküste erkennen kann, muss nicht zum Augenarzt! (Foto Darius Behrouzi)
Wer trotz der schlechten Auflösung Capri und die Amalfiküste erkennen kann, muss nicht zum Augenarzt! (Foto Darius Behrouzi)

 

19.09.2017

Am nächsten Morgen regnet es... Nein, es schüttet wie aus Eimern! 

 

Wir sind auf dem Biobauernhof La Valle del Mulino (http://www.lavalledelmulino.com) verabredet. Auf dem Weg zum Auto stellen wir fest, dass man hier im Cilento  - ein Gebiet in Kampanien zwischen Paestum und Sapri, Teile dessen wurden 1998 zum Unesco-Welterbe erklärt - keinen Regen zu erwarten scheint. Jedenfalls hält man eine Straßenentwässerung für entbehrlich... Mit nassen Füßen stürzen wir ins trockene Auto. Bei fortwährenden sintflutartigen Regenfällen begeben wir uns auf die ca. 30 minütige Fahrt. Die Dächer geben ihr Wasser auf die Straßen. Die Berghänge sowieso. Fast schwimmen wir... Unsere Verkehrsteilnehmer bleiben völlig unbeeindruckt. Mindestens. Der ein oder andere verfällt auch in Jähzorn, angesichts dieser Deutschen, die in den Serpentinen mit geringer Sicht und mit der Sorge, Wasser könnte durch die Türen in den Innenraum des Fahrzeugs dringen, einen eher defensiven Fahrtstil pflegen... Aber das kennen wir ja schon: Erneut kühlen unsere süditalienischen Freunde ihr Gemüt, indem sie uns im Blindflug überholen - natürlich nicht, ohne ihrem Ärger über uns Luft zu machen... Immer diese Touristen!

 

Auf dem Biobauernhof werden wir bestens versorgt. In einer Gruppe mit 5 weiteren Familien bereiten wir selbst Pasta zu. Semola, Olivenöl, Wasser und etwas Geschick reichen aus, um Cavatelli  herzustellen. Durch zügiges ziehen mit 2 Fingern entsteht eine muschelartige Pasta. Wir sind begeistert, wie einfach das eigentlich ist...

 

Nein, bei den Erwachsenen sehen die Cavatelli auch nicht besser aus... Sie schmecken trotzdem! (Foto Darius Behrouzi)
Nein, bei den Erwachsenen sehen die Cavatelli auch nicht besser aus... Sie schmecken trotzdem! (Foto Darius Behrouzi)

 

Außerdem bekommen wir die typischen cilentanischen Vorspeisen (Schinken, Käse mit Honig, marinierter Kürbis, Zuccini, Aubergine), dazu selbst gebackenes Brot und Olivenöl aus eigener Herstellung. Der Bauernhof stellt international prämierte Produkte her, von deren Qualität wir uns überzeugen können. Zum Glück haben wir einen großen Kofferraum.

 

20.09.2017

Wir machen uns auf den Weg nach Agropoli. Sie sieht sich selbst als “heimliche Hauptstadt” des Cilento. Warum, bleibt ihr Geheimnis. Wir können dem 20.000-Einwohner-Städtchen nur wenig abgewinnen... Noch aus der Ferne versprach ihr Anblick einen Besuch wert zu sein, doch je näher wir ihr kommen, umso mehr Enttäuschung stellt sich ein. Auf der Suche nach einem Parkplatz befremden und die vielen Bausünden aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Auch in den sogenannten “Prachtstraßen” wurden historische Bauwerke stilfrei durch neue Zweckbauten ersetzt, welche die Atmosphäre erheblich beeinträchtigen. Die Stadt wirkt angestrengt, scheint sich Mühe zu geben, glanzvoll zu erscheinen. Vielleicht ist das ihr Fehler. Als Deutsche in Italien suchen wir den Charme des Dolce Vita. Hier finden wir ihn nicht...

 

Da kann auch der Altstadthügel mit seiner mittelalterlichen Burgruine nichts mehr retten. Enttäuscht freue ich mich zumindest auf meinen geliebten italienischen Cappuccino. Doch, oh Schreck, er schmeckt nach Schokolade. Wenigstens haben wir die hiesige Verkehrskultur besser verstehen gelernt: Vorfahrt wird nicht durch Schilder oder komplizierten Regelungen wie “Rechts vor Links” gewährleistet. Braucht man doch gar nicht..: Die Vorfahrt gebührt vielmehr dem, der zuerst fährt oder der als letzter bremst...

 

21.09.2017

Ein Tag am Strand!

 

22.09.2017

Und dann endlich: Einer der Höhepunkt unserer Reise - Die Amalfiküste.

 

Was als Reise zu Zweit geplant war, scheitert am Widerstand unserer Zwillinge: Sie lassen sich partout nicht zur Kinderbetreuung überreden. Also nehmen wir sie mit. Amalfi  liegt nur ca. 75 km von Santa Maria di Castellabate  entfernt, Positano gut 100 km. Unterwegs passieren wir Salerno. Zugunsten der Amalfiküste umfahren wir Salerno und biegen auf die Straße Richtung Costiera Amalfitana ein. Nach wenigen Metern stehen wir im Stau... Auf der berühmten Strada Statale 163 Amalfitana.

 

Von nun an geht es die verbleibenden 50 km nur noch kriechend voran. Nahezu die gesamte Strecke ist eine einzige Blechlawine.

 

Kleiner Mann in Sorrent (Foto Darius Behrouzi)
Kleiner Mann in Sorrent (Foto Darius Behrouzi)

Wir sind erfahrene Mittelmeerurlauber und genießen die frühe Herbstzeit, am Ende der Saison. Wir sind es eigentlich gewohnt, auch vermeintlich überlaufene Touristenattraktionen mit wenigen anderen zu teilen. Umso überraschter sind wir über diesen Andrang. Aber es kommt noch schlimmer: Die  entgegenkommenden Busse verkeilen sich zwischen den Fahrspuren, den engen, verwinkelten Serpentinen und wahllos wild parkenden Autos. Nach 3 Stunden Fahrt bekommen unsere Kinder langsam aber sicher den Autokoller. Und wir auch! Nur mit der Aussicht auf einen gemütlichen Bummel in Amalfi und einem schönen Eis können wir beruhigend entgegensteuern...

 

Doch auch das geht nicht auf: Wir waren zu optimistisch. Das Parkhaus ist besetzt! Mit dem Kindern im Auto wollen wir das Fahrzeug auch nicht Kilometer entfernt in irgendeiner Kurve abstellen und uns dann an der Blechlawine entlang in die Stadt durchschlagen, wie es viele andere tun. Also fahren wir eisern weiter. In Positano ist es auch nicht besser. Am Ende kommen wir bei Sorrent heraus. Nach 3 ½ Stunden Fahrt. Gesehen haben wir außer Autos nicht viel. Immerhin entschädigt Sorrent, welches wir am westlichen Ausgang der Amalfiküste ein wenig kennenlernen.

 

Auf dem Rückweg bewegen uns die Blicke von der Autobahn in das moderne Pompeji. Für westeuropäische Verhältnisse ziehe ich Slums als Analogie heran. Die Armut ist mit Händen zu greifen. Und nicht nur hier scheint es keine Abstandsregelungen von Wohngebieten und viel befahrenen Autobahnen zu geben. Die Bewohner hängen Ihre Wäsche buchstäblich zum Trocknen über die Autobahn...

 

23.09.2017

Samstags findet in Santa Maria di Castellabate der Wochenmarkt statt, der uns durch Einheimische empfohlen wurde. Wir erreichen diesen über einen schönen ausgedehnten Strandspaziergang. Ich rechne mit einem Markt mit zahlreichen Angeboten an regionalen Produkten. Eingerahmt in einem historisch anmutenden Gebäudekomplex. Da habe ich falsch gerechnet... 90 Prozent der Stände bieten billigen chinesischen Plunder. Töpfe und Pfannen, Kleidung, Gardinen, Parfum, Spielzeuge (vornehmlich Plastikwaffen) etc. Zwischendrin kann man immer wieder kleine Perlen ausmachen, bei denen Käse, Oliven oder einfaches Obst und Gemüse der Region feil geboten werden. Der Markt findet vor dem Hintergrund einer modernen Bauruine statt, für meine Ohren unangemessen flächendeckend laut beschallt. Moderne Popmusik statt 'Amore per sempre'...

 

Nach kurzem, überwiegend von Stresssymptomen begleiteten Aufenthalt, treten wir den geordneten Rückzug an.

 

Immerhin: Fast kein Müll... (Foto Darius Behrouzi)
Immerhin: Fast kein Müll... (Foto Darius Behrouzi)

 

24.09.2017

Ich gebe zu: Meine Erwartungshaltung an unsere diesjährige Urlaubsregion ist in den letzten Tagen arg strapaziert worden. Ob es daran liegt, dass der heutige Ausflug nach Castellabate  für uns alle ein echter Genuss ist? Wohl nicht!

 

Auf einer Felsspitze errichtet, ca. 300 Meter über dem Meer, bietet der Ort aus fast jedem Blickwinkel einen herrlichen Ausblick auf den Golf von Salerno. Verwinkelte, enge Gassen, bestehend aus hunderten Treppenstufen. Und obwohl der Ort vor wenigen Jahren Schauplatz einer international erfolgreichen Kinoproduktion war ('Willkommen im Süden', orig.'Benvenuti al Sud') hat der Ort seinen Charme nicht verloren. Die auf der Spitze thronende Burg kommt ohne das befürchtete Foltermuseum aus, die wenigen Verkaufsstände sind geschmackvoll errichtet und bieten keine Regenschirme, Portemonnaies, Wanderstöcke oder Plastikpistolen an, sondern überwiegend regionale kulinarische oder handwerkliche Produkte. In einem Café mit wunderbaren Ausblick auf die Stadt und das Meer genießen wir Cappuccino und Eis zu angemessenen Preisen.

 

Bis zur Amalfiküste kann man sehen. Schlechte Erinnerungen werden wach... (Foto Darius Behrouzi)
Bis zur Amalfiküste kann man sehen. Schlechte Erinnerungen werden wach... (Foto Darius Behrouzi)

 

25.09.2017

Wir wenden uns zwei kleineren Orten zu. Zunächst besuchen wir in Pioppi zwei im Palazzo Vinciprova untergebrachte Museen. Im Museo Vivo del Mare stehen die heimischen Fischarten im Mittelpunkt. Wirklich viel zu sehen gibt es nicht. Das Museum bewegt sich in sehr bescheidenen Rahmen. Das Museum Dieta mediterranea ist der Mittelmeerdiät und ihrem Entdecker, Ancel Keys, gewidmet. Die Vorzüge der Ernährung in dieser Region wurden, unter Hinzufügung weiterer Elemente, zu einer weltweit beachteten Ernährungsphilosophie, oder vielleicht besser, Lebenshaltung, entwickelt.

 

Das kleine Fischerdorf bietet keine weiteren Höhepunkte, sodass wir den kleinen 1000-Seelen Ort Acciaroli aufsuchen. Ernest Hemingway war 1952 eine Zeitlang hier zu Gast. Er soll wohl die meiste Zeit betrunken gewesen sein. Trotzdem ist man im Ort stolz darauf, dass er während seines Aufenthaltes in Acciaroli zu seinem Werk “Der alte Mann und das Meer” inspiriert worden sei. Bei näherer Betrachtung muss man jedoch feststellen, dass Hemingway diese Novelle bereits 1951 auf Kuba fertiggestellt hatte. Aber wer weiß das schon so genau...

 

26.09.2017

Für den Besuch in Herculaneum habe ich von meinen Lieben 'frei' bekommen, um mir alles in Ruhe anschauen zu können. Herculaneum, einer der Orte, die neben Pompeji  und anderen Städten 79 n.u.Z. durch den Ausbruch des Vesuv  zerstört wurden, ist relativ gut erhalten. Anders als Pompeji, welches zunächst durch ein stundenlanges Bombardement glühenden Bimssteins vernichtet wurde, wurde Herculaneum unmittelbar durch die Lavaströme versiegelt.

 

Die Besichtigung beginnt, wo zur Zeit des Ausbruchs noch der Strand war. Er ist durch die Katastrophe um 400 Meter verschoben worden... Etwa 250 Menschen versuchten sich hier in Sicherheit zu bringen, was ihnen jedoch nicht gelang.

 

Hier gab es keinen Ausweg mehr... (Foto Darius Behrouzi)
Hier gab es keinen Ausweg mehr... (Foto Darius Behrouzi)
Einer von vielen antiken McDonald's in Herculaneum (Foto Darius Behrouzi)
Einer von vielen antiken McDonald's in Herculaneum (Foto Darius Behrouzi)

Man bekommt einen plastischen Eindruck vom Aufbau einer römischen Siedlung und der typischen Architektur und Kunst der Zeit (Foto Darius Behrouzi)
Man bekommt einen plastischen Eindruck vom Aufbau einer römischen Siedlung und der typischen Architektur und Kunst der Zeit (Foto Darius Behrouzi)

 

Das historische Herculaneum ist von drei Seiten durch die moderne Stadt Ercolano überbaut. Aus fast jeder Perspektive Herculaneums thront die mehrere Meter höher gelegene Moderne. Dass es sich um moderne Bauwerke handelt, ist an zwei Dingen zu erkennen. Klimaanlagen und trocknende Wäsche. Ohne diese Zutaten könnte es schwer werden, die Ruinen von den heutigen Behausungen zu unterscheiden...

 

Oben Herculaneum, unten Ercolano - oder umgekehrt?! (Foto Darius Behrouzi)
Oben Herculaneum, unten Ercolano - oder umgekehrt?! (Foto Darius Behrouzi)

Der anempfohlene Besuch im Museo Archeologico Virtuale erweist sich als weniger interessant als erwartet. Das Museum kommt ganz ohne jeden Gegenstand aus und konzentriert sich auf Visualisierungen durch Projektion. Mein Interesse besteht hauptsächlich darin, möglichst viel über das historische Herculaneum vor der Zerstörung zu erfahren und zu sehen. Leider erfüllt sich das nicht.

 

Der Tag wird - wie kann es anders sein - mit neuen Erfahrungen im süditalienschen Straßenverkehr abgerundet. Ein Bewohner sagte mir vortags: "Ercolano ist ein Vorort von Neapel. Also fahren sie dort auch wie in Neapel!" Nach meinen heutigen Erfahrungen weiß ich nun, was das bedeutet: Anarchie im Straßenverkehr! Wer an einem Stoppschild stehen bleibt, riskiert einen Auffahrunfall. Das Halten an einer roten Ampel wird mit Hupen der ungeduldig hinter einem Stehenden quittiert. Die Ampeln sind ihres Sinnes beraubt. Ich passe mich an, ignoriere mühsam alle Regeln und quetsche mich dazwischen, wo es geht... Hoffentlich behalte ich davon in Deutschland  nichts zurück!

 

27.09.2017

Wir begnügen uns mit einem Ausflug in das Ortszentrum von Santa Maria di Castellabate. Ein lieblicher Ort, mit italienischem Charme. Besonders ein  Gebäudeensemble im Halbrund um einen beschaulichen Strandabschnitt weiß dem Auge zu schmeicheln.

 

Apropos 'Schmeicheln': Was wäre Bella Italia ohne seine Küche?

 

Zum Frühstück mache ich mir unter anderem regelmäßig einen Tomaten-Mozzarella-Salat. Dieser weist zwei Besonderheiten auf: Die Tomaten schmecken nach Tomaten. Und der Mozzarella ist natürlich die örtliche Spezialität, der Büffelmozzarella.

 

Ein unvergleichlich aromatischer Geschmack.  Es grenzt an Verfälschung, was in deutschen Regalen unter dem Label “Mozzarella” verkauft wird...

 

Ansonsten haben wir jeden Abend ein typisches Menü der Region. Zu Beginn gibt es einen einfach gehaltenen Salat mit Essig und Öl. Als Primi piatti  gibt es (häufig hausgemachte) Pasta oder Risotto  in den unterschiedlichsten Formen und Variationen: Meistens mit Fisch (zum Beispiel mit Seeteufel, Thunfisch, Sardinen, Muscheln, Tintenfisch, Schwertfisch, Garnelen), manchmal mit Fleisch (Bolognese oder Carbonara). Selten wird es vegetarisch. Häufige Zutat ist auch der heimische Provola Käse, der an den deutschen Räucherkäse erinnert. Nach der Primi piati  ist man in der Regel satt. Als Secondi piatti steht Fleisch oder Fisch im Mittelpunkt (Tintenfisch, Thunfisch, Schwertfisch, Stockfisch, Sardellen, Gürtelfisch, Sankt Peter Fisch, Goldbrasse, Lachs, Sardinen, Schweinefilet, Kalbsnuß, Hühnchen). Die Beilagen (Auberginen, Zucchini, Kürbis, Tomaten, Paprika und Kartoffeln) werden häufig kalt und mit sehr sehr viel Olivenöl serviert.

 

Als Nachspeise wird Eis, Kuchen oder Obst gereicht. Danach ist regelmäßig meine physische Aufnahmekapazität bis an die Grenze des möglichen erschöpft. Mitunter stellen sich aufgrund der gereichten Mengen bei mir im Anschluss 'ein deutliches Gefühl der Übersättigung' ein. Mehrfach nahm ich mir schon vor, egal wie gut es schmeckt, aufzuhören, wenn ich satt bin. Bisher bleibt es allerdings bei den Vorsätzen...

 

Beeindruckende Details in Pompeji, die beklemmen können ... (Foto Darius Behrouzi)
Beeindruckende Details in Pompeji, die beklemmen können ... (Foto Darius Behrouzi)

28.09.2017

Unser letzter großer Ausflug führt uns nach Pompeji. Im Vergleich zu Herculaneum ist zwar der Grad der Zerstörung höher. Jedoch weiß die Stadt durch ihre schiere Größe zu beeindrucken. Während man in Herculaneum  immer ein wenig den Eindruck hat, in einem Museum zu stehen, vermutlich da man die moderne Stadt Ercolano immer im Blickfeld hat, ist man in Pompeji  von der historischen Stadt umgeben - soweit das Auge reicht.

 

Es gibt zahlreiche Einzelheiten, die den Besuch faszinierend machen: Zum Beispiel die “Zebrastreifen”. Dies sind auf den Straßen aufgetragene Steine, damit die Bewohner trockenen Fußes die mit Abwässern bedeckten Straßen überqueren konnten. Politiker spendierten zwecks Imagepflege gern öffentliche Gebäude. Große Gedenktafeln zeugen von ihrer “Großzügigkeit”. Die Fresken in den herrschaftlichen Häusern, die häufig griechische Mythologien aufgriffen, haben selbst nach fast 2000 Jahren ihre Ausdrucksstärke nicht verloren. Natürlich sind die berühmten Gips-Abbilder verstorbener Menschen, toter Tiere und eingeschlossener Gegenstände besonders ergreifend.

 

 

Dazu die großen Attraktionen: Das Theater, das Forum, die Thermen, der Augustustempel, die langgezogenen Straßenzüge, die ein Gefühl der damaligen Zeit vermitteln. Das alles vor dem Hintergrund des Vesuvs, der imposant über der Stadt thront.

 

Den ursprünglich geplanten Besuch des Vesuvs geben wir mit Rücksicht auf die Kinder auf. Wir haben zu diesem Zeitpunkt bereits 2 Stunden Autofahrt und ca. 4 ½ Stunden Pompeji hinter uns. Und überhaupt: Wer will schon einen “lebenden Vulkan” sehen...?

 


Weltkulturerbe Pompeji (Foto Darius Behrouzi)
Weltkulturerbe Pompeji (Foto Darius Behrouzi)

 

Unsere Zwillinge jedenfalls wurden durch den Besuch Pompeijs nachhaltig beeindruckt. Tagelang steht bei ihnen das Thema Vulkan und Pompeji  im Mittelpunkt und wird durch zahlreiche Kinderbücher immer und immer wieder aufgegriffen.

 

29.09.2017 - 01.10.2017

Zum Abschluss gönnen wir uns und den Kindern noch einen Tag Strand. Mit einer Zwischenübernachtung am Gardasee kehren wir wohlbehalten wieder nach Deutschland zurück.

 

Insgesamt haben wir in Kampanien eine sehr schöne, bereichernde und erholsame Zeit erlebt, für die Kinder und uns Erwachsene. Wer mediterranes Essen liebt, süditalienisch-schroffe Naturlandschaften, warmes Klima und antike Kultur schätzt, wird in dieser Region eine gute Zeit verbringen können. Nur an die süditalienische Anarchie im Straßenverkehr müsst Ihr Euch gewöhnen...

 

 

Darius Behrouzi

 


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