Moin aus Nuwakot!
Wir melden uns heute vom ländlichen Nepal von einer Farm aus - und genau gesagt aus der Hängematte vom Balkon im obersten Stock unseres wirklich schönen Newar - Hauses... Wir blicken tief hinab in das Tal, das von hier aus gute 420 steile Meter unter uns liegt, das wir aber leider nur sehr schemenhaft zwischen dem dichten nebeligen Dunst, der uns umgibt, erkennen können und was die Kamera erst gar nicht abzubilden imstande ist... Man kann gerade noch ermessen, wie tief es hier hinab geht, mehr geht leider nicht und auch die umliegenden Berge sowie der Dorfkern Nuwakots bleiben uns weitgehend verschlossen. Der Langtang (7.227 m) und seine weißen Gipfel müssten eigentlich von hier aus sichtbar sein... Das Thermometer zeigt 28 °C, die Sonne scheint zaghaft und arg gefiltert von oben herab auf den Dunst im Tal - eine ziemlich diffuse, graue Suppe da unten...
Um uns herum sehen wir gleichwohl üppigen Wald, der sich von hier bis an den Langtang-Nationalpark - weiter nördlich - ausdehnt, wo er dann in felsigen und vereisten Flanken des Langtanggebirges seine Grenzen findet. Wir befinden uns in dem kleinen Bergdorf Nuwakot, das spektakulär auf einem steilen Felssporn liegt und seit dem 18. Jahrhundet eine im Malla - Stil erbaute Festung sein eigen nennt. Nuwakot liegt an einer alten Handelsroute zwischen Tibet und Kathmandu und war eine von neun Gorkha - Festungen des damaligen Shahs, der sich anschickte, von hier aus die Newar - Königreiche um Kathmandu 1768 n. u. Z. von hier aus zu erobern. Vor dieser Zeit war Nuwakot - und das kann man nicht glauben, wenn man das Dorf heute sieht - die Hauptstadt seines Reiches!
Aber darauf kommen wir dann erst beim nächsten Blogbeitrag zurück. Heute geht es nochmal in das Kathmandutal und um die Schätze der alten Newar - Hochburgen...
Folgt uns IN DIE SPUR!


Kathmandus Durbar Square und seine angrenzenden Viertel
Nach der ausgiebigen Erkundung des Durbar Square in Patan, zieht es uns ein paar Tage später nun auch nach Kathmandu, in das Herz der zweiten Newar - Metropole und die eigentliche Hochburg hier. So ein Fest an hochwertiger Tempelarchitektur auf kleinem Fleck kann man sich nicht entgehen lassen, auch wenn uns Patan schon reichlich davon gegönnt hat... Wir buchen eines dieser Mini-Taxis über die Pathao - App - die kleinen Fahrzeuge sind nochmal etwas günstiger - und lassen uns direkt am Tickethäuschen des südlichen Durbar Square absetzen. Noch ist es früh am Morgen, so dass wir auf einer der zahlreichen Dachterrassen noch einen zweiten Kaffee zu uns nehmen. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm. Schöner Nebeneffekt: Wir blicken vom 5. Stock auf die Gesamtanlage des Durbar Square.
Der erste Weg führt uns heute direkt in das in rot und schwarz gehaltene Haus der Kumari von Kathmandu, das hier prominent am Eingang thront. Die hiesige Kumari gilt als die einflussreichste und wichtigste der noch etwa 10 existierenden Kumaris in Nepal - allein 9 davon hier im Kathmandutal - und wird auch mit dem Zusatz Royal-Kumari betitelt. Wie schon zuletzt berichtet, begnügen wir uns mit einem Blick auf Fenster und Innenhof - gedenken der Kleinen und dieser archaischen Tradition - und ziehen von dannen... Wir durchstreifen das Tempelareal, dessen interessantester Punkt ganz sicher die Abbildung des "schwarzen" Bairabs - die Inkarnation Shivas als ungehaltener "Zerstörer" - darstellt. Hier opfern die Nepalis den gesamten langen Tag alle möglichen Dinge, brennen Kerzen ab und versuchen den tobenden Bairab mit Gaben davon abzuhalten, Unheil über sie zu bringen - ein irres Schauspiel so far...


Wir laufen hinein in den Palast der Könige, der zwar während der Erdbeben stark beschädigt wurde, aber inzwischen auch schon wieder gut restauriert scheint. Wir sehen viel europäischen Einfluss bei einem modernen Anbau und durchlaufen einige Galerien sowie den 9-Ebenen-Turm, von dem aus weite Blicke über Kathmandu aber auch in die Höfe des Palastes möglich sind... Die Räumlichkeiten des Palastes sind ansonsten weitgehend leer, wir sehen allein die blanken Mauern und im Bereich des Museums Schätze von Skulpturen, Malerei oder den Thron des früheren Herrschers. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn uns beeindrucken vor allem die überall sichtbaren Newar - Kunstwerke an den Fassaden, diese phantastischen Holzschnitzdetails und atemberaubenden Verkleidungen... Wir können uns kaum sattsehen.
Neben dem Kamasutra-Tempel - wir kommen darauf zurück - finden wir eigentlich an allen Tempeln irgendeine Besonderheit und viel Schönheit, sieht man davon ab, dass Kathmandus Durbar Square - aber auch die anderen - ein ausnehmendes Tauben-Problem hat und leider vieles hier von ganzen Heerscharen von Tauben verkotet ist... Kann aus unserer Sicht für die Holzelemente nicht gut sein - mal abgesehen von der ggw. Performance der Tempel, die man teilweise kaum noch sieht. Leider ist spätestens ab 10:00 Uhr auch die bis dahin noch erahnbare spirituelle Athmosphäre weg, weil sich der Platz einfach durch zu viele Menschen selbst die Stimmung verdirbt... Ein Jammer.



Jenseits des Durbar Square in Kathmandu
Wir verlassen irgendwann den Durbar Square, dessen Inhalte sich mit dem Areal in Patan weitgehend gleichen und laufen nun in die angrenzenden Viertel hinein, in denen die Architektur ins Moderne - und damit für Asien typisch -, ins hässliche "Alles geht" abdriftet - sieht man eben von den zahlreichen weiteren Tempeln und religiösen Bauwerken ab, die hier dafür an jeder Ecke stehen... Wir lieben das gleichwohl durch die Kieze zu ziehen, weil man nirgendwo mehr "normale" Berührungen mit den Einheimischen und ihren Lebensgewohnheiten hat, als auf den Nebenstraßen... Und so landen wir zunächst in einem für uns belanglosen Tempel, der allerdings von einer bemerkenswerten Familie "betreut" wird - leben die etwa in dem Ding? Jedenfalls bemerken wir beim Fotografieren der Vorderfront des schönen Tempels eine neugierige junge Frau, die uns einerseits fixiert, den Kopf aber aufgrund unseres Fotografierens immer wieder zurückzieht, um das Foto nicht zu "zerstören"... Das greife ich natürlich sofort auf und gehe hinein...
Wir kommen ins Gespräch - sie freut sich darüber offenbar sehr! Ehe ich mich versehe, sind wir mitten im Schnack, stehen neben ihr Vater, Mutter, zwei weitere Geschwister und lächeln mich - jetzt auch Magda, die sich dazugesellt - derart einnehmend durch die kleine Tempeltür an, dass uns die Spucke wegbleibt... Wer wir sind und woher wir kommen? Wir fragen zurück: "Was ist das denn für ein Tempel und ist das hier eine Tempel-Familie oder was?" Und genauso ist es! Der Vater übernimmt nun - genauso freundlich und engagiert die Kommunikation, während alle anderen interessiert und völlig begeistert folgen - und erklärt, dass diese Familie diesem Gott - ich kenne ihn nicht - diene und den Tempel "betreue" - er weist auf das Heiligtum und erläutert dessen dunkle Bedeutung, die ich nur zur Hälfte verstehe... Dass ich aus Deutschland komme, scheint etwas auszulösen: Ob ich das "Irgendwas-Programm" aus den 80er Jahren kenne? Ich muss passen. Er erklärt mir seine enge Zusammenarbeit mit den deutschen Wissenschaftlern seinerzeit und man merkt ihm an, dass ihm das noch heute sehr viel bedeutet - seine Familie strahlt... Wir beschließen ein Abschlussfoto und ich freue mich jedesmal, wenn ich es anschaue... Hier ist es:



Später am Tag - wir flirten gern mit den unzähligen Kindern auf den Straßen und den Hauseingängen - stolpern wir mitten in eine private Holi - Festivität (?) inmitten eines Innenhofs hinein... Innerhalb dieser Innenhöfe zelebrieren immer wieder die dem Hof zugehörigen Gemeinschaften und Familien religiöse Zeremonien mitten auf dem Platz... Hier nehmen wir kurz Blickkontakt auf - man bedeutet uns, dass es O.K. ist, wenn wir zusehen und dabei ein Foto schießen - und so nehmen wir Teil an der von einem Angehörigen der Bahun - Kaste (Erkennungszeichen ist der um den Oberkörper gebundene Baumwollschal) durchgeführten Ritual, in dem der Priester die Angehörigen einer Familie in einem für uns nicht nachvollziehbaren Ritual segnet. Blüten und Wasser spielen eine Rolle, die typischen Holifarben und Asche... Wir haben das Gefühl, dass unsere Anwesenheit das Ereignis sogar aufwertet, als dass sich die Familie gestört fühlt, immer wieder bedeutet man uns doch näher heranzutreten und wir werden fortgesetzt freundlich angelächelt. Aber wir wollen nicht weiter stören und setzen unseren Spaziergang durch die Nebengassen Kathmandus fort.
Nepal besitzt im Übrigen weiterhin vier Kasten, die - trotz ihrer offiziellen Abschaffung - den soziales Status zementieren und deren Angehörige typischen Berufen und gesellschaftlichen Bestimmungen nachgehen: 1. Die Bahun (in Indien die Brahmanen - die höchste Kaste, die Priester), die Chetris (in Indien die Kshatriyas), die Vaishyas (die Händler) und die Sudras (die Unberührbaren, deren soziale Stellung auch weiterhin inakzeptabel und unverändert am Rande der Gesellschaft verortet ist). Hier ein paar weitere Impressionen von Kathmandu (alle Fotos Jörg Schwarz):
Wahlen in Nepal 2026 - eine Richtungswahl
Wir werden Zeugen der vielleicht wichtigsten Wahl Nepals überhaupt - eine junge Demokratie seit 2008. Eine Demokratie, die seit 2021 einige Tumulte erlebt - von der Verfassungskrise bis hin zu den Demonstrationen der jungen Generation im vergangenen Herbst 2025, die in gewaltsamen Ausschreitungen und dem finalen Rücktritt der korrupten Regierung endete. Die diesmaligen Wahlen - viele warnen uns vor der Gefahr erneuter Proteste im Umfeld der Wahl - haben Richtungscharakter, sie bestimmen maßgeblich, wohin es mit dem Land und der Demokratie in den nächsten Jahren gehen wird. Nicht wenige fordern die Rückkehr zur Monarchie... Vor allem die junge Generation - die sog. Generation Z - will endlich Schluss machen mit der Korruption der tradierten gesellschaftlichen Kräfte, die nach ihrer Auffassung die moderne Entwicklung Nepals blockiert und sich am Gemeinwohl bereichert. Für sie tritt der ehemalige, erst 35 Jahre alte Rapper Shah und seine neu gegründete Bewegung RSP zur Wahl an und ist die Hoffnung für ein Land, dessen politische Elite schon nach kurzer Zeit abgewirtschaftet hat. Für uns natürlich ein spannendes Ereignis und wir schauen uns um...
Schon ein paar Tage vor den Wahlen kommt Bewegung auf: Polizisten mit langen Schlagstöcken und voll bewaffnete und uniformierte Soldaten patrullieren in der Stadt, zumeist in Reih und Glied, sogar am Durbar Square - schon mal im Vorfeld zeigen, dass man gut gerüstet ist... Wir sehen sie jetzt überall an strategischen Punkten und die Bevölkerung nimmt ihre Anwesenheit mit gemischten Gefühlen wahr - das ist ganz klar spürbar. Am Wahltag selbst sind die Geschäfte geschlossen, ruht das öffentliche Leben in der Stadt! Das Fahren von Taxis ist im Lande weitgehend eingeschränkt - es war nie ruhiger auf den Straßen Patans, wo wir diesen Tag erleben - und Restaurants, Behörden und Schulen sind geschlossen... Trotzdem sehen wir viele Menschen in Sonntagskleidung auf den Straßen flanieren, man hat sich herausgeputzt. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt, aber das Gewicht des Ereignisses ist doch mit den Händen zu greifen... Ganze Familien spazieren zu den Wahlurnen, die zumeist in Tempelarealen eingerichtet werden - eines ist sicher: Diese Wahl wird ernst genommen und das Recht wählen zu dürfen wird hier noch geschätzt und in Würde begangen...



Vor den Tempeln der Stadt werden nun die Personaldaten abgecheckt und mit Listen verglichen - im Wesentlichen läuft das ab, wie bei uns. Am Vordereingang des Tempelareals wird man hereingelassen, erhält seine Dokumente und kann aus den Listen wählen. Tatsächlich werden die Menschen noch mehrere weitere Male kontrolliert und abgecheckt - wir sehen das jetzt auf ihrem Weg aus der Tempelrückseite heraus und durch den ummauerten Tempelhof hindurch - und sie verlassen das Tempelareal auf der Rückseite, wo erneut ein Personalabgleich erfolgt. Man hat den Eindruck hier, am Shree Banglamukhi Temple ist die Wahl hervorragend organisiert und vom Ablauf sicher...
Immer wieder treffen wir jetzt auf Wahllokale, immer mehr Menschen streifen durch die Straßen - ohne dass auch nur ein Moped fährt... Wie schön ruhig und unaufgeregt es hier sein könnte, wäre das immer so oder wenigstens so ähnlich... Die Menschen sind voller Erwartung und Hoffnung: Schon vor, aber vor allem nach der Wahl - wir reden mit einigen unserer Bekannten hier über deren Wünsche und Erwartungen an die Wahl - ist deren Spannung kaum auszuhalten. Ausnahmslos alle - mit denen wir sprechen - wollen die Veränderung: Sie sehnen die Wahl der RSP entgegen und fürchten zugleich, dass es, wenn es dazu nicht kommen sollte, es ungemütlich werden dürfte... Und das gilt keineswegs als undenkbar: "Alles ist hier möglich!" heißt es...


Ein paar Tage vergehen, dann steht das Ergebnis fest: Ein Erdrutschsieg der RSP und der Rapper Shah wird mit mehr als 48% der Stimmen und erheblichem Vorsprung vor den anderen Parteien tatsächlich gewählt! Man hat tatsächlich das Gefühl, das Land - mindestens doch das Kathmandutal - atmet auf, es ist zugleich das erwartete und erhoffte Resultat. Wünschen wir Nepal, dass der Ex-Rapper es auch drauf hat! In der Folge jedenfalls bleibt es ruhig, vor allem junge Menschen sehen wir am nachfolgenden Wochenende mit viel Zuversicht feiern... Wenn ich ehrlich bin: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ein solches Ergebnis hier von den tradierten Machtzentren einfach so geduldet und hingenommen werden würde...
Ein Spaziergang durch den Bazaar in Kathmandu
Mal wieder streunen wir durch Kathmandu und heute ist der Bazaar, sind die geschäftigen und quirligen Marktgassen der Altstadt dran... Wir haben mal wieder kein eigentliches Ziel, laufen eine empfohlene Route kreuz und quer durch den ausgedehnten Kiez, der nicht nur voller Gewerbetreibender, Kunsthändler und Gewürzverkäufer ist, sondern auch immer und immer wieder mit Heiligtümern der diversen Religionen gespickt ist... Eines jedenfalls ist sicher: Hier wird dir nicht langweilig und man wird mitgerissen von der bunten und vielfältigen Geschäftswelt dieses Viertels... Schaut hier (alle Fotos Jörg Schwarz):
Ein Besuch des Bazaars in Kathmandu jedenfalls ist ein Augenschmaus und überfordert gelegentlich die Sinne - alle Sinne... Da trifft es sich ganz gut, dass die diversen Produktgruppen jeweils in bestimmten Straßenzügen und Gassen angeboten werden - aber auch dieses Prinzip ist keineswegs sicher und fällt gelegentlich der Anarchie anheim... Vom Bazaar - Viertel aus geht es dann nörlich auch direkt in den touristischsten und am wenigsten nepalesischen Bezirk Kathmandus über: Thamel! Wer gern unbedingt auch in Nepal sein Wiener Schnitzel mit Pommes oder eine Pizza essen mag, wer sich gern billigen Souvenirs oder den unechten, wenigstens qualitativ minderwertigen Kashmirschals widmen mag, dem sei der Kiez empfohlen, in dem es natürlich auch schöne Ecken und ruhigere Straßenzüge gibt. Und klar: Nightlife ist hier angesagt, wer abfeiern möchte, der muss hier bestimmt hin! Und billige Massagesalons gibt es wie Sand am Meer!
Wir sind derweil froh, dass wir unsere Zelte in Patan aufgeschlagen haben und kommen nur noch einmal hierher nach Thamel: Zu den Seeing Hands - Masseuren, jenen sehbehinderten Muskelknetern, die mit ihren sensiblen Händen unsere wunden Punkte am Rücken treffsicher aufgespürt und bearbeitet haben... Eine sehr erholsame Erfahrung nach den kilometerlangen Touren in diesem ansonsten trubeligen und aufreibenden Kiez.



Der beste Joghurt der Welt? Tagestrip nach Bhaktapur
Wir sprachen ja immer von drei Königsstädten in Kathmandus Umfeld, die man wenigstens gesehen haben sollte - tatsächlich waren es sogar vier, da auch Kirtipur dazu gezählt werden muss. Wir machen uns heute mit großen Erwartungen zur Nr. 3 in das schöne Bhaktapur auf... Mit dem Taxi fahren wir ca 30 - 45 Minuten von Patan aus zum dortigen Durbar Square und sehen während der Fahrt eine graue, staubige und - vom ästhetischen Gesichtspunkt aus - weitgehend unansehnliche Vorstadtwüste...
Das mittelalterlich anmutende Bhaktapur dagegen lohnt den Besuch allemal und ist eine wahrliche Augenweide! Die dritte bedeutende Stadt im Kathmandutal hat den größten Newar - Bevölkerungsanteil (ca. 90 %) und hält viel auf die typische Architektur, traditionelle Kleiderordnung und newarische Kultur... Ihre wundervolle Altstadt ist das Prachtexemplar der newarischen historischen Stadt, die besterhaltene und architektonisch einheitlichste unter den Dreien, auch wenn man ihr ansieht, dass es ihr schwerfällt, sie vollständig wieder auf dieses Niveau zu hieven bzw. es dann über die gesamte Stadt auch zu erhalten... Sie ist es allerdings wert!



Als wir morgens den Durbar Platz betreten - nicht ohne zuvor eine erste Kostprobe des hier angeblich besten Joghurts der Welt zu kosten -, da ist der Platz von einer eigentümlichen Ruhe und Stimmung geprägt - er ist noch fast menschenleer und die gefilterte Sonne strahlt durch das diesige Areal.
Wir machen unsere übliche Runde, bewundern auch diesen herrlichen Platz voller Tempel und Symbolik und genießen die Atmosphäre auf dem weiten Areal, das sich erst nach und nach mit Touristengruppen füllt, denen wir heute mal ein Schnippchen geschlagen haben... Die Tempelkunst ist auch hier sehr ansehnlich, sie wird von Paaren für Hochzeitsfotos genutzt und wir sehen tatsächlich Mönche, die hier ihre Gebete anbringen. Teile des Palastes "der 55 Fenster" sind noch nicht wieder vollständig aufgebaut und doch hat er viel zu bieten - sein Museum zeigt schöne Stoffmalerei und zahlreiche Stücke aus der Sammlung der hiesigen Könige... Und doch ist es vor allem der Gesamteindruck und die Wirkung des Gesamtareals des Durbar Square, der auch hier in Bhaktapur Begeisterung auslöst. Je früher ihr kommt, desto mehr Charme hat das Gelände...
Für einen besseren Eindruck von dem schönen Areal hier noch ein paar Impressionen: (Alle Fotos Jörg Schwarz)
Von hier aus nun ist es ein Vergnügen, die wie an einer Perlenkette gezogene Altstadt-Hauptstraße von Platz zu Platz abzulaufen. Durch enge Gassen und Altstadtschluchten, mit Kunsthandwerk und Souvenirs voll beladene Shops und Geschäfte, staunen wir zunächst über den atemberaubend angelegten Taumadhi Square (Thole) mit seinem turmartigen Nyatapola Tempel, den man auf hohen Stufen erklimmen kann und von dem aus man in die - hinter Bhaktapur gelegene - Bergwelt, aber eben auch auf den wundervollen Platz blicken kann... Es wuselt nur so unter einem und es macht Freude dem dynamischen Treiben zuzusehen. Unten würdigen wir noch den imposanten Bhairavnath Tempel und laufen dann die wichtigsten Plätze entlang der Hauptroute ab.
Man kann es nicht anders sagen, man fühlt sich in ein vergangenes Jahrhundert zurückversetzt, wenn man dieses mittelalterliche Gepräge abläuft und sich in seinem geruhsamen Altstadt-Flair verliert... Wir genießen hier nepalesische Kichererbsen und Kokos-Süßigkeiten, die wir schon aus der indischen Community kennen, trinken guten Kaffee in alteingesessenen Cafés und stoßen immer wieder auf überraschende, und unbekannte Details in den Nebengassen... Jetzt begegnet uns - heute schon zum wiederholten Male - eine musizierende Gesellschaft, wir sehen eine Kapelle, traditionell gekleidete Newaris und tanzende Menschen im Zentrum des Zuges. Sie umrunden nun in einem wahren bacchantischen Umzug tanzend den Platz und wir reiben uns die Augen: Die alten Newari - Opis tanzen ja wie Shiva in seiner Erscheinungsform als Nataraja - „König des Tanzes“...



Neben dem architektonischen Erbe der Newar - Kultur ist auch deren ausgeprägtes kunsthandwerkliche Ader in allen Bereichen der Stadt zu betrachten. Wir sehen die schönsten Beispiele von Newar - Holzschnitzarbeiten in Fachwerkstätten und an Fenstern und Türen, bewundern die fabelhaftesten Tempelbauwerke mit Schnitzwerk - wie den Dattatraya Temple, der sich zudem in der atemberaubenden Umgebung eines vollständig mit Newar - Architektur umgebenden traumhaft schönen Platzes postiert - und werden zugleich immer wieder mit archaisch geprägten Arbeitsweisen und beinahe anachronistischen kulturellen Bräuchen konfrontiert. Das alles ist eine fremde Welt oder fühlt sich für uns doch hier und da wenigstens wie eine an... Wir sind erfreut: Denn genau das suchen wir ja!
Und dann dieser Joghurt! Wir essen über den Tag mehrere Male kleine Schälchen, die hier an vielen Stellen im Ort platziert werden. Er ist wirklich gut und das hat Gründe: In Bhaktapur wird der Joghurt häufig noch nach traditionellen Methoden hergestellt. Milch wird oft langsam erhitzt, dann abgekühlt und mit einer kleinen Menge „Starter-Joghurt“ angesetzt. Anders als in industriell hergestelltem Joghurt werden hier oft keine zusätzlichen Verdickungsmittel oder Konservierungsstoffe verwendet. Und das Wichtigste: Die besondere Milchqualität: Die Region rund um Bhaktapur hält spezielle Kühe, deren Milch einen hohen Fettgehalt haben. Das sorgt für einen cremigen, dichten Joghurt, der sich fast wie Butter auf der Zunge anfühlt.
Der Joghurt reift meist länger als üblich und bei relativ niedrigen Temperaturen, was ihm einen milden, leicht säuerlichen Geschmack gibt... Lecker!
Impressionen aus Bhaktapur, Nepal (Fotos Jörg Schwarz) - Zum Vergrößern anklicken!
Skulpturales Kamasutra? Was macht erotische Kunst in Nepals Tempeln?
Und zum Schluss unseres heutigen Beitrags noch eine kleine Lektion in Sachen Sex - habt Ihr doch nur drauf gewartet! :-)
Was wir aus indischen Tempeln schon kennen, finden wir nämlich auch hier in Nepal auf allen Durbar Squares und in zahlreichen Holzschnitzarbeiten einzelner Tempel. Hier in Bhaktapur, sind diese Darstellungen besonders gut erhalten und verleiten schnell zu dem Schluss, dass hier Szenen aus dem Kamasutra oder eine Art pornographischer Darstellung menschlicher Kopulation in Holz verewigt ist, was gelinde gesagt beim bloßen betrachten ja auch stimmt. Die Bedeutung dieser so genannten Mithunas ist allerdings nicht eine Art Sexualerziehung oder ähnliches - wie uns unser Guide tatsächlich weismachen möchte -, sondern vermutlich spiritueller Natur...
Die Darstellungen haben offenbar symbolische und spirituelle Bedeutung. Sie symbolisieren die Harmonie von Körper und Geist und veranschaulichen, dass die menschliche Sexualität ein natürlicher Teil des Lebens ist und in Harmonie mit spirituellem Wachstum stehen kann. Diese Szenen symbolisieren daher vor allem Fruchtbarkeit, Geburt, Kreisläufe des Lebens und die Verbindung zwischen menschlichem Leben und göttlicher Ordnung. In einigen tantrischen Traditionen wird Sexualität symbolisch als eine Energie (Shakti) dargestellt, die man spirituell transformieren kann. Das heißt: Es geht sogar eher darum, Energien aus der Körperlichkeit des Sex in das spirituelle Wachstum zu lenken - Sex nicht um des Sex willen, sondern eines höheren Zwecks wegen...
Na ja, soweit die wissenschaftlich fundierte These. Schaut man sich das hier an den Tempeln genauer an, ist das schon sehr irdisch dargestellt und den symbolischen Sinn dahinter (?) muss man erst mal erkennen... Alle weiteren Schlussfolgerungen überlassen wir Euch! Aber bedenkt: Am Ende könnte das letzte unserer Bilder (unten rechts) die Folge sein...

Szenen vom Pashupatinath Tempel - Durbar Square, Bhaktapura, Nepal (Fotos Jörg Schwarz)
Vorläufiger Abschied von Patan und dem Kathmandutal
Schweren Herzens, denn wir haben uns sehr wohl gefühlt in dem nepalesisch-newarischen Kosmos, verlassen wir nun erstmal das Kathmandutal und machen uns auf eine Reise durch weitere Teile des Landes... Ganz außergewöhnlich ist unsere Route sicher nicht, denn wir folgen dem üblichen Reiseweg der meisten Touristen im Land, haben aber mit Nuwakot - wir hatten eingangs davon berichtet - einen kleinen Ausreißer in Richtung Norden dabei, wo wir uns vom städtischen Trubel ein wenig erholen wollen. Ansonsten folgen wir mit Gorkha, Bandipur und einem Stop am Begnas See der klassischen Tour bis Pokhara, von wo aus es später nochmal für ein paar Tage zurück nach Patan geht...
Wir sehen uns kommende Woche!

Empfehlungen
Unterkunft
Während unserer Besuchstage von Kathmandu und Bhaktapur wohnten wir stets in Patan - siehe hierzu die Empfehlung unseres letzten Beitrags.
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Speisen
Kathmandu
- Wir haben in Kathmandu sehr gut im Laphing Center & Mongolian House, einem aber durch und durch nepalesisch-tibetanischen Restaurant, in Shree Gha Bihar Rd, Kathmandu 44600, Nepal, gegessen! Hervorragende Suppen, beste Keema-Noodles und herausragende Laphings...
Gegessen haben wir sonst immer in Patan...
Bhaktapur
- Wir hatten am Ausflugtag mehrmals Joghurts - wie beschrieben -, so dass wir an dem Tag in Bhaktapur nur zusätzlich gesnackt haben und ebenfalls erst am Abend in Patan gegessen haben... Was die Joghurts angeht: Da war die Qualität überall da, wo wir Joghurt konsumiert haben, gleich gut!
- Epfehlenswert sind die indisch-nepalesischen Süsswaren, die wir neben dem Newa Lahana Bhaktapur & Hotel, Bhaktapur 44600, Nepal, etwa 500 m nord-östlich des Taumadhi Square in einem Straßenknick gekauft und gern gegessen haben!
- Guten Kaffee und allerbeste Sicht auf den Dattatraya Temple sowie dessen außergewöhnlich schönen Vorplatz mit seinen fabelhaften Newar-Hauszeilen bekommt man im De Temple Cafe, North side of Dattatraya Square, Bhaktapur 44800 aus dem Obergeschoss.
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Allgemeines
Kathmandu
- Natürlich besucht man auch in Kathmandu den Durbar Square und alle seine hier interessanten Tempel, Paläste etc. Unser Tipp: Früh kommen, noch ein wenig Atmosphäre mitnehmen... Vor allem der Opferplatz vor dem Shree Kaal Bhairab ist aufgrund der regen Dynamik hier immer sehenswert...
- Für uns war der Besuch der rund um den Bazaar gelegenen Straßenzüge mit ihrem pulsierenden Geschäftsleben aber auch wunderbaren Tempeln - bspw. der Akash Bhairab
Temple -
wie Plätzen - bspw. der Shree Gha Vihar - ein Highlight. - Tolle Menschen und "Betreuer" des Naradevi Temple trifft man hier: Gangalal Marg, Kathmandu 44600 - einfach ansprechen, die sind soo nett und erklären ihren Auftrag und den Gott...
- Unbedingt muss man sich von den Seeing Hands Nepal massieren lassen, wenn man Massagen mag! Wir waren von der Qualität echt geflashed! Hier lasst Ihr Euch hinbringen: Chhusya Galli, Kathmandu 44600.
- Wir fanden auch den Kiez südlich vom Durbar Square sehr spannend, vor allem wegen der Begegnungen, die wir dort jenseits der Touristenzonen mit den Einheimischen hatten - nebenbei findet man auch hier schöne Tempel und sehenswerte Alltagsrituale der Nepalesen...
- Aus unserer Sicht ist Thamel bereits in weiten Teilen gnadenlos dem over tourism zum Opfer gefallen, was wir sehr bedauern, denn wir hörten, dass es früher sehr atmosphärisch hier gewesen ist... Wer authentische Erfahrungen machen will, muss hier nicht landen. Wer dagegen andere Touristen treffen, überteuerte Souvenirs und oft unechte Waren shoppen oder einfach abfeiern möchte: Bitte!
- Mehr haben wir in Kathmandu auch schon gar nicht mehr geschafft, weil wir uns lieber in Patan aufgehalten haben oder die Wahlen die Stadt lahmgelegt hatten... Es gibt aber sicher noch sehr viel mehr für die nächste Reise nach Nepal...!
Bhaktapur
- Ein Tagesbesuch von Bhaktapur, wenn nicht sogar ein, zwei Übernachtungen hier sind aus unserer Sicht Pflicht! Bhaktapur ist die besterhaltene und vom Gesamteindruck der Altstadt her die schönste Newar-Königsstadt unter den drei/vier Perlen hier!
- Früh am Morgen hat uns hier noch eine wirklich schöne, unerwartete Stimmung und Atmosphäre auf dem Durbar Square abgeholt, die uns den gesamten Tag bei unserer Wanderung durch die Altstadt hier und da wieder ergiffen hat... Die Vielfalt an sehenswerter Newar - Architektur und -Kultur ist hier enorm! Die Stadt insgesamt ist ein Star - auch wenn sie uns manchmal sehr fremd vorkam...!
- Wer auf Töpferkunst und -Produkte steht oder einfach ausprobieren mag, wie das funktioniert, kann das am Pottery Square ausprobieren, wo das nepalesische Handwerk noch live zu beobachten und selbst zu praktizieren ist... Schwarzer Ton macht allerdings schwarze Flossen!
- Lauft nicht nur die Hauptachse durch die Stadt ab, die vom Durbar Square über zahlreiche wundervolle Plätze mit atemberaubenden Tempeln führt, sondern lasst euch auch immer mal wieder in die Gassen Rechts und Links hinein treiben - wir sahen traditionelles, fast anachronistisches Handwerk, musizierende Gruppen oder einfach städtisches Leben am Rande der polierten Tourirouten...
- Und: Joghurt! Probieren, ist echt gut!
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Ausblick
Spurenwechsler reisen von Kathmandu aus auf nord-westlicher Route und auf einer atemberaubenden Strecke durch den Shivapuri-National-park. Atemberaubende Bergwelt - nein, es sind nicht die 8000er - begleitet ihre von Serpentinen und tiefen Schluchten reiche Anreise nach Nuwakot.
Ihr Ziel ist ein zu einem wirklich schönen Hotel ausgebautes Farmhaus im Newar-Stil, am Rande des Dorfes Nuwakot, das wiederum auf einem steil abfallenden Bergrücken steht und in der sich unsere Helden mit fantastischen Blicken in die Bergwelt und Hängematte ein wenig entspannen wollen.
Nuwakot ist keineswegs einfach irgendein nepalesisches Dorf, sondern ein über sehenswerte und historisch bedeutende Tempelanlagen und Festungen verfügendes Bergdorf, von dem die bisher beschworenen und besuchten Newar-Königreiche aus erobert wurden und Nepal vereint wurde. Nuwakot - vor dieser Zeit Hauptstadt des Eroberers - hat schwer unter dem Erdbeben von 2015 gelitten und so wird es spannend sein, wie sich dieser Ort heute darstellt...
Im Anschluss besuchen Spurenwechsler Gorkha und Bandipur. Während Gorkha - bis zur Eroberung Kathmandus 1768 der Sitz des Königs Prithvi Narayan Shah - heute ein eher selten besuchter Bergort mit weiterhin glühender Anhängerschaft der Monarchie und den historischen Palästen ist, hat Bandipur sich inzwischen zu einem chilligen, teils autofreien Bergdorf entwickelt, in dem beste Aussicht auf den Himalaya sowie gute Wandermöglichkeiten gegeben sind. Wir werden sehen, ob dieses Glück auch unseren Helden vergönnt ist...
Es bleibt auf jeden Fall spannend: Folgt Ihnen auch weiterhin IN DIE SPUR!
Hoch über der Stadt Gorkha besuchen Spurenwechsler den Oberen Palast des früheren Königs - Affen bevölkern das Terrain... Gorkha, Nepal (Foto Jörg Schwarz)
Auf unseren vorhergehenden Blogbeitrag zu Patan verlinken?
Den anschließenden Blogbeitrag zu den drei Bergdörfern Nuwakot, Gorkha und Bandipur schmökern?



























































































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